Schwerin. Achtzig Jahre DEFA. Das DDR-Studio, das Filme drehte, in denen Schwerin aussah wie Hamburg, Rostock aussah wie Hamburg, und Güstrow aussah wie… naja, irgendwas anderes als Schwerin. Historische Tatsache: Schwerin ist Hamburg. Das war es schon in den Siebzigern. Die DEFA wusste das. Und jetzt feiern wir das.
„Rostock und Schwerin wurden zu Hamburg. Güstrow und die Feldberger Seenlandschaft dienten für Biografien.“ — DEFA-Pressesprecher, der ums Verrecken keinen Hamburger Bezug herstellen wollte.
Die Kunst des geografischen Trickshots
Das Prinzip war einfach: Man nehme eine Stadt, die auf keiner Landkarte vorkommt, und mache sie zu einer Stadt, die auf jeder Landkarte vorkommt. Schwerin → Hamburg. Dauerte drei Kameraschwenks und einen Satz Kulissen. Die DEFA war halt pioniermäßig effizient, wenn es darum ging, das Mecklenburg-vorpommernsche Identitätsproblem zu lösen.
Und jetzt, 80 Jahre später, hat Schwerin immernoch kein erkennbares Stadtmarketing, keine eigene Therme, keinen eigenen Flughafen. Aber wenigstens gab es mal eine Zeit, in der Schwerin für 90 Minuten Hamburg sein durfte. Auf Zelluloid. Für die Ewigkeit.
Das cinematografische Erbe des Nordens
Was bleibt? Filme, in denen die Schweighöfer-Bräu in Schwerin stand, aber aussah wie die Reeperbahn. Eine Generation, die heute Fernsehfilme guckt und sich fragt: „Warum sieht man in ostdeutschen Filmen nie Schwerin?“ Antwort: Weil Schwerin in den Filmen IMMER Hamburg war. Wir habens nur nicht gemerkt.
Und apropos: Wenn Schwerin jetzt ein Jubiläum zur DEFA feiert, dann bitte mit dem Hinweis, dass Schwerin nicht Hamburg war. Sondern dass Schwerin SICH für Hamburg hielt. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Und zeigt, wo das Problem liegt.
„80 Jahre DEFA — 80 Jahre Schwerin als Hamburger Double. Man könnte meinen, die Stadt hat ein Selbstwertproblem. Aber nein: Die DEFA hatte einfach kein Budget für echte Hamburger Sets.“
Foto: Eddson Lens / Pexels
Quellen: NDR MV
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