Schwerin. Vom 5. bis 10. Mai präsentiert das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 118 Filme, darunter 16 Welt- und 18 Deutschlandpremieren. Vier Wettbewerbe, fünf Nebensektionen, 16 Preise im Wert von 50.200 Euro. Die Landeshauptstadt Schwerin wird für sechs Tage zur Kinokapital-Stadt-der-großen-Träume. Oder so ähnlich.
Provinzielle Größe oder große Provinz?
Lassen wir uns nichts vormachen: Das Filmkunstfest MV ist kein Cannes. Und das ist auch gut so — jedenfalls für die, die es ehrlich meinen. Hier trifft sich das, was in Berlin niemand mehr interessiert, zu einem Festival, das sich lieber „Filmkunst“ nennt statt „Das kleine Hamburger Festival am Rande der Ostsee“. 118 Filme klingen viel. Bei genauerem Hinsehen: 16 Weltpremieren heißen nicht automatisch 16 gute Filme. Und die Preissumme von 50.200 Euro ist das, was ein Berliner Filmfuzzi als „Spesen“ abbuchen würde.
Das soll nicht kleinkariert sein. Es gibt hier Menschen, die Filme machen, die es anderswo nicht in die Festival-Auswahl schaffen. Es gibt Jurys, die echte Entscheidungen treffen. Es gibt ein Publikum, das kommt, weil es Filme liebt — nicht weil es influencers看见了 und nach dem Event-Post sucht. Das ist etwas. Nur eben: Man sollte es nicht größer reden, als es ist.
118 Filme. 16 Weltpremieren. 50.200 Euro Preisgeld. Mecklenburg-Vorpommern feiert sich — und das Festival feiert Mecklenburg-Vorpommern. Das ist die eigentliche Show.
Und wenn wir schon bei überambitionierten Plänen sind: Schwerin plant die Landesgartenschau 2035 mit 83 Millionen Euro für 440.000 Besucher — ohne zu wissen, ob und wann das Ding stattfindet. Zwei Masten, eine Stadt, dieselbe Krankheit: Wer nicht groß denken kann, tut einfach so, als ob.
Das Land, das sich selbst feiern muss
Denn eines wird klar, wenn man sich die Programmstruktur ansieht: Vier Wettbewerbe, fünf Nebensektionen — da ist für jeden was dabei. Und vor allem: für jeden Geschmack. Der lokale Film, der nordeuropäische Beitrag, das Dokumentarische, das Experimentelle. Alles etwas außer dem, was in München oder Hamburg läuft und tatsächlich Beachtung bekommt.
Schwerin hat nicht viele internationale Auszeichnungen vorzuweisen. Das Filmkunstfest ist eine. Und die kann sich sehen lassen — für Schweriner Verhältnisse. Nur: Wenn in MV jemand „Kinosommer“ ruft, kommen 200 Leute. Wenn in Berlin jemand „International Film Festival“ ruft, kommen 2.000. Das ist keine Kritik am Filmkunstfest. Das ist der Kontext, den man dazugeben muss.
Also: Ab zum Filmkunstfest. Tickets sichern, Filme gucken, Preisträger feiern. Und danach vielleicht ein Bier in der Altstadt, weil Schwerin das kann. Nur mit dem Anspruch, das nächste Berlin zu werden — davon sollte man sich verabschieden. Das ist nicht negativ gemeint. Es ist nur ehrlich.
Foto: FILMLAND MV
Quellen: Stadt Schwerin
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