Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) von Schwerin hat im Jahr 2025 genau 3,4 Millionen Euro an Buß- und Verwarngeldern eingenommen. Das ist kein Witz. Das ist eine Investition in Eitelkeit, die sich gewaschen hat.
Reiche Stadt, arme Radfahrer
3,4 Millionen. Durch Knöllchen. Für eine Stadt, in der der Radentscheid seit Jahren fordert, dass man überhaupt sicher von A nach B kommen kann. Das passt ungefähr so gut zusammen wie Radtouren und Schlaglöcher.
Laut Radentscheid Schwerin ist die Verkehrssituation für Radfahrer weiterhin – Zitat – „Luft nach oben“. Und zwar nicht die gute Art von „Luft nach oben“. Eher die Art von „Luft zum Atmen, weil der Radweg zugeparkt ist“.
„Wenn man sich die Situation vor Ort anschaut, ist bei den Bußgeldern noch Luft nach oben!“ — Radentscheid Schwerin, Newsletter Mai 2026
Das Zitat ist fast schon poetisch. Man stelle sich vor: Ein Ordnungsbeamter, der morgens um 8 Uhr seine Runde dreht und denkt: „Boah, heute sind wir wieder bei 3,5 Millionen. Da muss mehr gehen.“
Die Einnahmen sind gegenüber dem Vorjahr übrigens nochmal um eine halbe Million Euro gestiegen. Wow. Herzlichen Glückwunsch an die Kämmerei. In der Zwischenzeit dümpeln Radwege vor sich hin, die Stadionbrücke ist seit gefühlt drei Jahren eine Baustelle, und in der Mecklenburgstraße plant man seit neuestem eine Fahrradstraße – als wäre das ein Privileg statt ein Standard.
Die Lösungsstrategie der Stadt scheint klar: Lieber abkassieren als sanieren. Statt die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern, wird fleißig kassiert. Das ist ungefähr so, als würde man eine kaputte Heizung reparieren wollen, indem man die Miete erhöht.
Beim nächsten Fahrradforum am 10. Juni im Stadthaus will der Radentscheid die üblichen Verdächtigen ansprechen: Radwege, Beschilderung, Schäden. Die Stadtverwaltung wird – so die Hoffnung – über geplante Vorhaben berichten. Man darf gespannt sein.
Für alle, die jetzt denken „Naja, 3,4 Millionen sind doch gar nicht so viel“: Dochnoch. Für eine Stadt mit unter 100.000 Einwohnern ist das pro Kopf eine Ansage. Rund 35 Euro pro Nase. Nur fürs Falschparker.
Schwerin hat es richtig drauf. Der KOD als stiller Retter des Haushalts. Und für alle, die jetzt sagen „Autofahrer sollen halt korrekt parken“: Ja. Richtig. Wäre mal was.
Quellen:
- schwerin.news: „3,4 Millionen Euro durch Knöllchen: Radentscheid sieht noch Luft nach oben“ (25.05.2026)
- Radentscheid Schwerin: Newsletter Mai 2026
- NDR.de: Berichterstattung zur Verkehrsinfrastruktur Schwerin
Foto: Egor Komarov / Pexels
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