Schwerin ist Geil — Mecklenburg-Vorpommern hat mal wieder bewiesen, dass es auch im Jahr 2026 noch kann: Menschen dazu bringen, Papier zu unterschreiben. Viel Papier. 138.000 Unterschriften in gerade mal vier Wochen. Das sind etwa 3.300 Unterschriften pro Tag. Oder, falls jemand bei der Landesregierung damit überfordert sein sollte: Das sind ungefähr 137 Menschen pro Stunde, die der Meinung sind, dass in unseren Kitas gerade alles super läuft.
Rekord, aber für wen?
Hinter dem Volksbegehren stehen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Kita-Landeselternrat. Ihr Ziel: Bessere Personalschlüssel. Sprich: Weniger Kinder pro Erzieherin. Ein Forderung, die so radikal klingt, dass man sich fragt, ob das hier wirklich Mecklenburg-Vorpommern ist, oder ob wir versehentlich in Skandinavien gelandet sind.
Die aktuellen Betreuungsschlüssel sind für die Fachkräfte kaum zu schaffen. Jede Erzieherin merkt täglich, dass die Kinder darunter leiden. Und die Politik? Die schaut zu.
— GEW Mecklenburg-Vorpommern
Gleichzeitig sinken die Geburtenzahlen im Land. Logisch, denkt sich der geneigte Beobachter: Wer soll hier Kinder kriegen, wenn die Betreuung schlechter wird, weil das Land Personalkosten spart, wodurch die Betreuung schlechter wird, wodurch weniger Menschen Kinder kriegen wollen? Ein Kreis, der so elegant geschlossen ist, dass selbst Schweriner Stadtplaner davon lernen könnten.
Gespräche mit der Landesregierung? Welche Treffen?
Laut Initiatoren laufen bereits Gespräche mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Gespräche. Über ein Volksbegehren, das 138.000 Menschen unterschrieben haben. Nicht 138. Das wäre ja noch verständlich. Nein, 138.000!
Zum Vergleich: Wenn 138.000 Schweriner zu einer Party eingeladen hätten, würde das ungefähr der gesamten Stadtbevölkerung (knapp 100.000 Einwohner) plus nochmal 38.000Freunde aus dem Umland entsprechen. Und Schwesig sitzt daneben und sagt: „Ja, also, wir müssen da mal gucken, was man machen könnte, eventuell, wenn es die Haushaltslage zulässt.“
Die hohe Zahl an Unterschriften sei ein klares Signal an die Landesregierung, rasch eine politische Lösung zu finden.
— Initiatoren des Volksbegehrens
Ein klares Signal. Falls die Landesregierung es nicht mitbekommen haben sollte (wovon wir auszugehen haben): 138.000 MENSCHEN HABEN UNTERSCHRIEBEN. Das ist ungefähr so, als würde das gesamte Publikum eines durchschnittlichen Schweriner Stadtvertretungstermins appear. Und die sagt: „Danke für die Unterschriften. Wir melden uns.“
Die rechtliche Zulässigkeit des Volksbegehrens wird übrigens gerade angezweifelt. Ein Rechtsgutachten des Landtags sei zu dem Ergebnis gekommen, dass man darüber „nochmal nachdenken sollte“. 138.000 Unterschriften, und das Land sagt: „Moment, wir müssten mal kurz gucken, ob das hier überhaupt darf.“
Fazit: Mecklenburg-Vorpommern zeigt mal wieder, wie Demokratie funktioniert. Das Volk unterschreibt, die Politik schaut zu, und am Ende wird das Ganze in einem Ausschuss gelöst, der sich erst in zwei Jahren wieder trifft. Aber hey: Immerhin hat Schwerin jetzt eine Ampelschaltung, auf die man 45 Sekunden warten darf. Wir leben wirklich im Schlaraffenland.
Foto: Kgbo / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 Quelle: Schwerin-Lokal / SNO, NDR NordmagazinSchwerin ist Geil auf WhatsApp
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