Gesellschaft

Zwölf Jahre alt, Jurymitglied beim KiKA Award: Eine Schwerinerin darf mitentscheiden – über Deutschland

Lore ist zwölf. Gewohnt hat sie bisher vor allem: Schwerin. Eine Stadt, in der man für Bundesligaspiele nach Hamburg fährt, für Fachärzte nach Rostock – und für Fernsehnominierungen braucht man schon eine Menge Glück. Oder, wie Lore, eine spontane Bewerbung beim KiKA.

Wie kommt man von Schwerin in die Kinder-Jury?

Lore von der Niels-Stensen-Schule sah einen Aufruf im Fernsehen. Drehte ein Video. Schickte es an KiKA. Bekam eine Zusage. Und dann saß sie in einer 30-köpfigen Kinderjury für den KiKA Award 2026 und entschied mit, welche Stars und Projekte für den Publikumspreis nominiert wurden. Aus ganz Deutschland. 2800 Vorschläge. Lore war in der Kategorie „Film und Serie“ dabei.

„Ich hab gleich meine beste Freundin angerufen und ihr das erzählt.“ — Lore, 12 Jahre, Schwerin

Das ist die eine Geschichte: Ein Mädchen aus Mecklenburg-Vorpommern schafft es in eine bundesweite Jury. Gut so. Das sollte öfter passieren. Mehr Diversität, mehr Perspektive aus der Provinz, mehr Menschen, die mitreden dürfen, obwohl sie nicht in Berlin oder Hamburg aufgewachsen sind.

Die andere Geschichte

Die andere Geschichte ist: Lore kommt aus Schwerin. Und in Schwerin, so sagt man, ist nicht besonders viel los. Die Lokalpolitik ist überfordert, die Verwaltung veraltet, die Feuerwehr braucht 35 Jahre, um eine neue Wache zu planen. Aber wenn es um den KiKA Award geht, dann sitzt plötzlich eine Schwerinerin in der Jury und entscheidet mit, wer in den Gazetten steht. Es ist, wie so oft in MV: Der Rest der Republik merkt, dass es hier Menschen gibt – die müssen nur erst mal den Weg nach draußen finden. Oder, wie Lore, einfach eine E-Mail an KiKA schicken und ein Video drehen. Wäre schön, wenn das Land seinen Kindern auch mal was anderes bieten würde als Landluft und Geduld. Ein Café mit Plastikstühlen reicht ja wohl nicht.

Foto: Vika Glitter / Pexels

Quellen: Nordkurier

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