Satire

Zoo Schwerin meldet einzigen Nachwuchs der Stadt seit 2019 — es ist eine Giraffe

Schwerin. In einer Stadt, die seit Jahrzehnten mehr Bewohner verliert als ein löchriger Eimer Wasser, gibt es endlich wieder Grund zur Freude: Der Zoo Schwerin meldet Nachwuchs. Eine Giraffe. Denn wenn schon keine jungen Menschen nachkommen, müssen es eben Tiere mit überlangem Hals richten.

Das Giraffenkalb erblickte laut Zooleitung über Ostern das Licht der Welt und soll „putzmunter“ sein. Damit ist es offiziell das jüngste Lebewesen, das sich freiwillig in Schwerin aufhält. Demografen der Landeshauptstadt reagierten prompt und wollten das Kalb in die Einwohnerstatistik aufnehmen lassen, um die magische 100.000-Marke doch noch zu knacken.

Dezernent für Bevölkerungswunder sieht „Trendwende“

Die Stadtverwaltung nahm die Nachricht zum Anlass, eine Sonderpressekonferenz einzuberufen. Interims-OB Bernd Nottebaum soll die Geburt als „wichtiges Signal für den Standort“ bezeichnet haben. Schließlich sei der letzte nennenswerte Zuwachs in Schwerin der Coworking Space im Schlosspark-Center gewesen, in dem vergangene Woche der „Rückkehrertag“ stattfand. Einem Event, bei dem ehemalige Schweriner angelockt werden sollen, die längst in Hamburg wohnen und höchstens zu Ostern mal vorbeischauen, um zu prüfen, ob das Schloss noch steht.

„Die Giraffe hat sich bewusst für Schwerin entschieden. Das unterscheidet sie von 30.000 ehemaligen Einwohnern.“

Marlis Freidag, fiktive Beauftragte für Arterhaltung und Einwohnerbindung

Besonders brisant: Das Giraffenkalb ist aktuell vermutlich das einzige Neugeborene in der Landeshauptstadt, das nicht innerhalb der nächsten 18 Jahre nach Hamburg oder Berlin abwandern wird. Es sitzt schlicht hinter einem Zaun. Ein Modell, das auch der Wirtschaftsförderung als Blaupause dienen könnte, so Insider.

Rückkehrertag brachte weniger Interessenten als ein Giraffenkalb Besucher

Der zeitliche Zusammenhang zwischen Rückkehrertag und Giraffengeburt sorgt für bittere Vergleiche. Während die Jobmesse am Gründonnerstag tapfer 20 Unternehmen aus Medizintechnik, IT und Pflege aufbot, um Fachkräfte nach Schwerin zu locken, zog das Giraffenbaby am Wochenende mutmaßlich mehr Besucher an als sämtliche Stellenangebote zusammen. Dörte Hoffmann von HNP Mikrosysteme, die auf dem Rückkehrertag „mehrere engagierte Mitarbeiter“ gewonnen haben will, konnte auf Nachfrage nicht bestätigen, ob es sich dabei um Menschen oder Tiere handelte.

„Wir haben die digitale Jobwall jetzt auch im Giraffengehege aufgestellt. Die Resonanz unter den Huftieren war deutlich höher als unter den 18- bis 35-Jährigen.“

Karsten Belzig, fiktiver Leiter der städtischen Fachkräfteoffensive

Bleibt die Frage, was Schwerin aus dem Giraffenwunder lernt. Die Antwort ist so simpel wie deprimierend: Wenn die einzige verlässliche Methode, Nachwuchs in die Stadt zu bringen, ein Tiergehege ist, sollte die Wirtschaftsförderung vielleicht weniger in Coworking Spaces und mehr in Brutgehege investieren. Das Durchschnittsalter von 47,6 Jahren würde eine Giraffe jedenfalls nicht weiter nach oben treiben. Die werden nämlich nur 25.

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