Schwerin – Die WEMAG hat ihre Website überarbeitet. Klingt erstmal nach internem Klein-Klein, nach dem, was in jedem Unternehmen irgendwann mal passiert. Die Meldung auf SN-Aktuell trägt die Überschrift: „WEMAG verbessert Zugänglichkeit für alle“. Und weiter: Man habe 84 Stellen behoben, 2.000 Arbeitsstunden investiert, und die Barrierefreiheit sei „keine Zusatzfunktion, sondern Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber allen Kundinnen und Kunden“.
Man könnte an dieser Stelle klatschen. Man könnte die WEMAG für ihr Engagement loben. Oder man liest den dritten Satz der Meldung genauer: „Bereits im Juni 2025 und damit zum Stichtag für die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen hatte die WEMAG ihre Website technisch und strukturell barrierefrei gestaltet.“
Gesetzespflicht als Heldentat
„Barrierefreiheit ist für uns keine Zusatzfunktion, sondern Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber allen Kundinnen und Kunden.“
— Dr. Diana Kuhrau, WEMAG Unternehmenskommunikation
Ah. Gesetzliche Anforderungen. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) hat eine Frist gesetzt – Juni 2025 – und die WEMAG hat geliefert. Punkt. Was sie jetzt als „Überarbeitung für ein besseres Nutzungserlebnis“ verkaufen, ist schlicht die Nachbesserung einer Pflichtübung. 84 Barrieren wurden behoben – sprich: Man hatte sie vorher selbst verbaut. 2.000 Arbeitsstunden – sprich: So schwer ist es offenbar nicht, eine Website nicht mehr für Behinderte unzugänglich zu machen.
Das Zitat von Dr. Kuhrau klingt, als hätte die WEMAG Barrierefreiheit erfunden. Als hätte irgendjemand in der Schweriner WEMAG-Zentrale nachts im Bett nicht schlafen können vor lauter Sorge um die Zugänglichkeit ihres Onlineauftritts. Und nicht etwa, weil das BFSG sonst 500.000 Euro Bußgeld bedeutet hätte. In Schwerin regiert sonst gern das Schlupfloch, wenn es um gesetzliche Pflichten geht – nur bei der WEMAG nicht.
Am Ende des Artikels heißt es dann noch, man freue sich über Hinweise von Nutzern, die auf Barrieren stoßen. Bei einer Website, die im Juni 2025 bereits barrierefrei war. Schön, dass die WEMAG so nah am Menschen ist. Wirklich.
Foto: Markus Kammermann / Unsplash
Quellen: SN-Aktuell
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