Wirtschaft

Welterbestadt Schwerin: Ein Jahr UNESCO – und noch immer fehlen 500 Betten

Schwerin ist Welterbe. Seit knapp zwei Jahren. UNESCO. Fast eine halbe Million Übernachtungen im vergangenen Jahr. Und trotzdem fehlen zwei bis drei Hotels. 300 bis 500 Betten. Einfach weg. Nicht geplant, nicht gebaut, nicht mal angedacht – obwohl das Stadtmarketing das Problem schon seit einem Jahr kennt.

„Perspektivisch sollen es circa 450 bis 500 neue Betten werden.“

Das war der Plan. Ausgesprochen im Jahr 2025. Heute, ein Jahr später, steht Schwerin immer noch mit derselben Lücke da. Zwei bis drei Hotels einfach weg. Wie weggewischt. Vielleicht verweht.

Das gescheiterte Luxushotel: 50 Millionen, null Investor

Zur Einordnung: Mitten in der Altstadt, in der alten Staatsbank, sollte das Luxushotel „Le Tresor“ entstehen. 50 Millionen Euro Investitionsvolumen. Ein Projekt, das Schwerin das Gesicht gegeben hätte, das eine Welterbestadt verdient. Gescheitert. Einfach so. Kein Investor mehr, der das Ding noch anfassen will.

Jetzt sucht die Stadt also händeringend nach einem neuen Investor. Für ein Gebäude, das schon mal niemand haben wollte. Mal abgesehen davon, dass das ein bisschen klingt wie: „Frau Dr. Müller, der Mieter für Ihre Altbauwohnung ist abgesprungen. Kein Problem, wir suchen schon einen Neuen. Das kann nur noch ein oder zwei Jahre dauern.“

Und was ist die Lösung? Ein B&B Hotel. Am Slüter Ufer. 130 Zimmer. Auf vier Etagen. Fertig Ende 2026. Oder Anfang 2027. Je nachdem, wie pünktlich Schwerin kann. Was bei einem B&B bedeutet: eher 2028.

Die Stadt, die es sich nicht leisten kann, langsam zu sein

Schwerin will fünf Prozent Übernachtungswachstum pro Jahr. Fünf Prozent. Das ist kein bescheidenes Ziel für eine Stadt, die es nicht schafft, in einem Jahr zwei bis drei Hotels aus dem Boden zu stampfen. Nicht ein Riesenhotel. Zwei. Drei. Irgendwas.

Der stellvertretende Oberbürgermeister Nottebaum sagt, die Gäste sollen am besten vier bis fünf Tage bleiben. Vier bis fünf Tage. In einer Stadt ohne Hotelzimmer. Respekt vor dem Optimismus.

Was hier passiert, ist einfach nur peinlich auf hohem Niveau. Schwerin hat die UNESCO-Nummer gelandet, sichert sich den Titel, die Schlagzeilen, den Aufschwung – und kann das Bettenhotel-Segment nicht bedienen. Das ist, als würde man eine Hochzeitstorte backen und dann die Gästezahl nicht kennen.

Für 450 bis 500 neue Betten braucht es nicht nur ein B&B. Es braucht Investoren, die Schwerin sehen und nicht Mecklenburg-Vorpommern. Und genau da liegt das Problem: Die Stadt zeigt keine Ambitionen, die über den Tellerrand hinausragen. Einfach nur hoffen, dass irgendein Hotelier irgendwann kommt.

Schwerin hat ein Jahr gebraucht, um das Problem zu benennen. Jetzt kann es noch ein weiteres Jahr brauchen, um es zu lösen. Oder auch zwei. Denn bei Schwerin gilt: Was lange währt, wird selten gut.

Foto: Anonymous / Wikimedia Commons

Quellen: NDR Mecklenburg-Vorpommern

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