Schwerin hatte mal eine Fluglinie. Das war 1926. Und dauerte genau drei Monate. Dann war Schluss. Die Passagiere fehlten. Oder wie man in Schwerin sagt: Das Angebot war der Nachfrage einen Schritt voraus. Und der Schritt war zu groß.
Am 1. Juni 1926 nahm die Deutsche Luft Hansa AG die Strecke Stettin–Schwerin–Hamburg in Betrieb. Ein Landesflugplatz, anerkannter Linienverkehr, Post und Passagiere zwischen zwei Städten, die fliegen konnten. Schwerin war dabei. Für wenige Wochen zumindest. Das war’s dann aber auch schon.
Drei Monate, dann war Schluss
Bereits zum 31. August 1926 wurde der Betrieb wieder eingestellt. Die Nachfrage blieb zu gering. Im Jahr darauf wurde die Linie nicht wieder aufgenommen. Und die Flugplatzgesellschaft löste sich im Dezember 1927 auf. Das Restaurant auf dem Gelände wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. Schwerin. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Die Technik war da. Der Wille war da. Nur die Schweriner nicht. Oder besser gesagt: Die Schweriner waren da, aber eben nicht im Flugzeug. Das ist das Problem, wenn man eine Stadt anfliegt, die lieber mit dem Rad fährt als in ein Flugzeug steigt.
1926 war für die deutsche Luftfahrt ein Jahr des Aufbruchs. Die neue Luft Hansa eröffnete ihre ersten Verbindungen, nahm den Betrieb von Berlin aus auf und arbeitete an einem Netz, das Städte schneller miteinander verbinden sollte als Schiene oder Straße. Schwerin war davon für einen Sommer ein kleiner, aber realer Teil. Und wurde es nie wieder.
Heute, 100 Jahre später, hat Schwerin immer noch keine funktionierende Bahnanbindung. Die nächste Autobahn ist eine halbe Stunde entfernt. Der Zug nach Hamburg braucht zwei Stunden. Und wenn man nachfragt, warum, dann sagt jemand: „Na ja, Schwerin ist eben klein.“ Genau. 1926 war Schwerin auch klein. Und trotzdem ist der letzte Linienflug 1926 gestartet – und nie wieder zurückgekehrt. Schwerin hat einen Wärmeplan – aber Beschluss erst 2026. Ergebnis irgendwann 2045. Das ist der Spirit von Schwerin. Langsam, aber offiziell.
Schwerin, die Stadt, die jede Chance bekommt und keine einzige nutzt. Nicht 1926, nicht 2026. Einfach nie. Aber hey, die Pappelpark-Bühne hat 45 Konzerte im Sommer. Das muss man auch erstmal hinbekommen. Nur eben ohne Flugzeug.
Foto: Unsplash (Symbolbild)
Quellen: Nordkurier
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