Die Vocatium kommt nach Schwerin. 77 Aussteller warten in der Sport- und Kongresshalle auf Jugendliche, die nach der Schule nicht mehr weiterwissen. Messestände, Beratungsgespräche, duale Studiengänge, Auslandsaufenthalte, Freiwilligendienste. Zwei Tage, kostenfrei, bundesweit 80 solcher Veranstaltungen pro Jahr. Die Messelandschaft boomt — weil die Realität so trostlos ist, dass man extra Veranstaltungen braucht, um sie erträglich zu machen.
Von wegen „MV bleibt“ — hier bleibt nur, wer nirgendwo anders hinkann
Die Messe richtet sich an Jugendliche auf der Suche nach Orientierung. In jeder anderen Stadt würde man schreiben: Schön, dass es solche Formate gibt. In Schwerin muss man ergänzen: Es gibt sie, weil die hiesige Wirtschaft so wenig zu bieten hat, dass junge Menschen gar nicht wissen, welche Optionen überhaupt existieren. Außer Weggehen. Das erinnert an die WM in Schwerin, wo es kein öffentliches Public Viewing gab — aber dafür auf Usedom Strandkino. Die Highlightschere zwischen dem, was Schwerin bietet, und dem, was es bräuchte, ist absurd.
Wer bereits konkrete Pläne hat, kann direkt mit potenziellen Arbeitgebern sprechen — ein Vorteil für spätere Bewerbungen.
Natürlich — und das muss man fairerweise sagen — gibt es in MV und Schwerin auch Arbeitgeber, die ausbilden und Perspektiven bieten. Die Vocatium ist auch für die eine oder andere positive Überraschung gut. Aber die Messekultur der Berufsorientierung ist nun einmal ein Kind der Mischung aus Fachkräftemangel, Abwanderung und einer Region, die ihre eigene Zukunft nicht mehr selbst gestalten kann.
77 Aussteller. Für eine Region auf historischem Geburtentief
Das Land fördert die Berufsorientierung, die Landesregierung stellt Lehrkräfte ein — in den letzten vier Jahren 4.327 Stück. Gleichzeitig wandern die besten Köpfe ab, weil es an Infrastruktur, an Kultur, an Lebensqualität mangelt. Die Vocatium ist das Symptom: Eine Messe, die organisiert wird, damit Jugendliche überhaupt mitbekommen, dass es eine Welt außerhalb von Schwerin gibt. So wie der Zoo sein 70-jähriges Jubiläum feiert, um zu verschleiern, dass es ansonsten wenig gibt, was das Land in der Öffentlichkeit gut dastehen lässt.
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Das ist lobenswert. Weniger lobenswert ist, dass eine Region in einer Phase steckt, in der kostenfreie Berufsmessen zur überlebensnotwendigen Institution werden. Für ganz Mecklenburg-Vorpommern, das es mit seinen Geburtenraten auf historischem Tief mit in die demografische Katastrophe reitet.
Foto: Messestand (Symbolbild, via Pixabay-Lizenz)
Quellen: Nordkurier
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