Schwerin hat ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime. Es funktioniert wie ein Ampelsystem: Grün heißt gut, Gelb heißt naja, und Rot heißt — nun ja, Rot heißt in Schwerin offenbar „weiter so, wird schon“.
Vier rote Karten — aber bitte nicht persönlich nehmen
Die Prüfergebnisse der Schweriner Pflegeheime sind jetzt online einsehbar. Das klingt nach Transparenz-Offensive. Ist es auch — nur dass das, was man da transparent sieht, eher beunruhigend ist. Viermal wurde die Note „Rot“ vergeben. Drei Heime erfüllen nicht einmal die baulichen Mindestanforderungen. Ein weiteres schafft es nicht, das Geld und die Wertsachen seiner Bewohner ordnungsgemäß aufzubewahren.
Bauliche Mindestanforderungen nicht erfüllt — das ist die höfliche Umschreibung für „die Wände halten, der Rest ist Verhandlungssache“.
Zur Einordnung: Bauliche Mindestanforderungen sind keine Luxuswünsche. Das sind die Dinge, die ein Gebäude haben muss, damit man darin Menschen unterbringen darf, die sich nicht mehr selbst helfen können. Wenn drei von Schwerins Pflegeheimen das nicht schaffen, dann ist das kein Qualitätsproblem — das ist ein Strukturversagen mit Fußnote.
Wertsachen? Welche Wertsachen?
Besonders charmant: Ein Heim hat bei der Aufbewahrung von Geld und Wertsachen der Bewohner versagt. Man fragt sich unwillkürlich, was genau da schiefgelaufen ist. Liegt das Geld offen auf dem Nachttisch? Wird die Schmuckschatulle als Türstopper verwendet? In einer Stadt, die 500 Euro Abwanderungsgebühr erhebt, sollte man meinen, dass wenigstens das Kleingeld der Senioren sicher ist.
Transparenz ist gut — Konsequenzen wären besser
Dass die Ergebnisse online stehen, ist immerhin ein Fortschritt. Jetzt kann jeder nachlesen, welche Heime durchfallen. Die spannende Frage ist nur: Was passiert danach? In Schwerin hat Transparenz traditionell eher dekorativen Charakter. Man zeigt das Problem, nickt betroffen, und geht dann zum nächsten Digitalisierungsprojekt über.
Für den Pflegesektor in Schwerin ist das trotzdem ein Signal. Nur leider eines, das rot blinkt — und an dem alle mit Vollgas vorbeifahren.
Quellen: Ostsee-Zeitung
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