Mecklenburg-Vorpommern hat ein Schwein. Nein, warten wir: Mecklenburg-Vorpommern hat einen Umweltminister, der sich hinstellt und vor Pressevertretern verkündet, dass ein Buckelwal in dänischen Gewässern Laute von sich gegeben hat. „Gut unterwegs“, sagt Backhaus. Zur Sache. Zurücklehnen. Ausatmen.
Das ist jetzt keine Satire. Das ist der SPIEGEL, der darüber berichtet. Till Backhaus, Jahrgang 1959, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern seit gefühlt 47 Jahren, hat eine Pressekonferenz einberufen, um über einen Wal zu informieren, der nicht mal in MV schwimmt.
„Das Tier sei ‚gut unterwegs‘ in dänischen Gewässern, erklärt der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern vor Pressevertretern. Sogar Laute habe das Tier von sich gegeben.“
— SPIEGEL, April 2026
Was macht ein Umweltminister den ganzen Tag?
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Die Ostsee stirbt – laut, billig, ungebremst. Die Wracks liegen voller Munition, die Phosphor-Belastung in Rügen liegt über Grenzwerten, die Landwirtschaft kippt weiter Stickstoff rein, und in Schwerin redet man seit Jahren über einething, die nicht passiert. Aber hey – der Wal singt. Und zwar in Dänemark. Und der Minister war persönlich informiert.
„Hope“ heißt das Tier. Hoffnung. Vielleicht braucht es die auch, wenn man sieht, was mit dem Rest von MV passiert, während der Umweltminister in Pressekonferenzen über Buckelwal-Gesang berichtet. Die Wälder sterben, die Küste erodiert, die Dörfer leeren sich – aber der Wal in dänischen Gewässern gibt Laute von sich. Das muss man erstmal sacken lassen.
Wäre es MV-Bildungsminister, würde der wahrscheinlich eine Pressekonferenz zum Anstieg der Analphabetismusrate in Flensburg halten. Oder der Wirtschaftsminister zur Eröffnung eines neuencob-Ladens in Hamburg.
Foto: Dr. Louis M. Herman / NOAA Photo Library (via Wikimedia Commons)
Quellen: SPIEGEL
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