OB-Wahl 2026

Therapeutin empfiehlt Wurmkur fuer Schwerins Stadthaus: Entwurmen statt Prestigeprojekte

SCHWERIN. Es gibt Momente, in denen eine Landeshauptstadt innehalten sollte. Nicht weil sie will, sondern weil jemand sagt, was alle denken. Am Dienstag war das jemand: Dr. Aileen Wosniak, 42, promovierte Psychotherapeutin, OB-Kandidatin fuer die ASK, und nach eigener Aussage Problemlöserin. In einem Interview mit schwerin-lokal.de hat sie das Schweriner Stadthaus zum ersten Mal in seiner Geschichte einer realistischen Diagnose unterzogen.

Die Diagnose lautet: Befall.

Wenn wir sagen, das Stadthaus muesse entwurmt werden, dann ist das kein persoenlicher Angriff auf die Mitarbeitenden.

Dr. Aileen Wosniak, OB-Kandidatin (ASK)

Kein persoenlicher Angriff. Klar. So wie es kein persoenlicher Angriff ist, wenn der Kammerjaeger kommt und sagt, die Kueche muesse saniert werden. Die Kuecheneinrichtung fuehlt sich trotzdem nicht gut dabei.

Die Therapeutin raeumt auf

Wosniak, die im Alltag Menschen mit Verhaltenstherapie behandelt, wendet ihr Fachwissen nun auf eine Institution an, die seit Jahren Symptome zeigt: Auslaenderbehoerde, die Arbeitserlaubnisse verweigert, obwohl sie anderswo bereits vorliegen. Jugendhilfe-Traeger, die ueber ihre eigenen finanziellen Mittel mitentscheiden. Dezernentinnen-Stellen, die niemand so recht erklaeren kann. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns – eine Patientenakte mit unuebersichtlicher Vorgeschichte.

Menschen werden in diesem System zermahlen, sagt Wosniak. Was fuer eine Verhaltenstherapeutin eine professionell unausdrueckliche Umschreibung ist. In der Klinik wuerde man sagen: Der Patient zeigt erhebliche Funktionsdefizite und eine ausgepraegte Resistenz gegen Veraenderungen.

Die Menschen, die in der Stadtvertretung sitzen, bilden sehr stark die oberen Zehntausend ab.

Dr. Aileen Wosniak

Die oberen Zehntausend. In einer Stadt mit 98.308 Einwohnern ist das statistisch gesehen ungefaehr jeder Zehnte. Wenn man bedenkt, dass Schwerins Stadtvertretung 43 Sitze hat, passt das ueberraschend gut. Fast so, als haette jemand mit Absicht eine Oberschicht fuer kommunalpolitische Zwecke gegruendet.

Strandhotel, Welterbe, Radsporthalle – alles irrelevant

Besonders deutlich wurde Wosniak bei den Prestigeprojekten. Strandhotel, Radsporthalle, Landesgartenschau, Welterbe – alles schoen und gut, aber: Fragen Sie einmal auf dem Dreesch oder in Lankow, was zum Welterbe gehoert. Viele haben dazu gar kein Verhaeltnis, weil das so weit weg erscheint.

Eine OB-Kandidatin, die zugibt, dass das UNESCO-Siegel den Menschen auf dem Dreesch herzlich egal ist. In Schwerin ist das fast schon revolutionaer. Normalerweise beginnt jede Pressemitteilung der Stadtverwaltung mit Als Welterbe-Stadt… und endet mit profitieren alle Buergerinnen und Buerger. Dass jemand sagt: Nein, eigentlich nicht – das hat Format.

85 Prozent ihrer Freundinnen seien nach dem Abitur weggegangen, erzaehlt Wosniak. Sie selbst auch. Schwerin ist fuer junge Leute einfach nicht attraktiv. Was sie nicht sagt, aber was sich aus ihrer Argumentation ergibt: Die Stadt wird gefuehrt von Menschen, die geblieben sind. Nicht unbedingt, weil sie wollten – sondern weil der Kassenkredit nicht fuer Hamburg reichte.

Therapieplan fuer die Lebenshauptstadt

Wosniaks Rezept klingt simpel: Dezernentinnen-Stellen kuerzen, staedtische Unternehmen zusammenlegen, Foerdermittel ausschoepfen, Auslaenderbehoerde personell aufstocken, Digitalisierung. Also: Alles, was in den letzten 20 Jahren haette passieren koennen, aber nicht passiert ist, weil man stattdessen Welterbe-Bewerbungen geschrieben hat.

Der Gewerbesteuerhebesatz liegt bei 458 Prozent. Ueber dem Bundesdurchschnitt. In einer Stadt, in der nach 18 Uhr die Gastronomie schliesst und nach 21 Uhr die Ampeln auf Gelb schalten. Man koennte auch sagen: Schwerin nimmt Steuern wie Muenchen und bietet Infrastruktur wie ein gut erschlossenes Dorf in Vorpommern. Aber das waere unfair gegenueber den Doerfern in Vorpommern.

Ich kandidiere nicht, um Schlagworte zu sammeln. Ich kandidiere, um Probleme zu loesen.

Dr. Aileen Wosniak

Ob eine Psychotherapeutin ohne politische Vorerfahrung eine Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern fuehren kann? Die Frage stellt sich. Ob eine Stadtverwaltung, die sich selbst nicht therapieren kann, einen externen Therapeuten vertragen koennte? Wahrscheinlich schon.

Am 12. April wird Schwerin gewaehlt. Einer von sieben Kandidaten wird die Landeshauptstadt fuehren muessen – mit oder ohne Wurmkur.

Quellen: schwerin-lokal.de (SNO) – Interview mit Dr. Aileen Wosniak, 2. April 2026

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