Infrastruktur

Stadtwerke Schwerin klagen über Telekom-Tür-zu-Tür-Verkäufer – die Telekom findet sich natürlich ganz unschuldig

Schweriner Stadtwerke schicken ihren Kunden einen Brief. Darin warnen sie vor Vertriebsmitarbeitern der Telekom, die in der Landeshauptstadt unterwegs seien und „mitunter fragwürdige Argumente“ verwenden würden, um Glasfaserverträge abzuschließen. Die Telekom findet das natürlich gar nicht gut und verweist auf ihren eigenen Branchenkodex. Ranger Marketing, die Firma die die Verkäufer stellt, findet sich ebenfalls ganz toll und überrascht, dass man überhaupt kritisieren könnte, an Türen zu klingeln und Menschen Verträge anzudrehen. Herzlichen Glückwunsch, Schwerin. Willkommen im Glasfaser-Dschungel.

Schwere Geschütze aus dem Glashaus

Stadtwerke-Sprecherin Julia Panke sagt, es erreichten sie „regelmäßig Rückfragen“ von Kunden, die an der Tür überrumpelt wurden. Klar, wenn einer vor der Tür steht und erzählt, das eigene Netz sei schlecht und er jetzt mal den tollen Telekom-Vertrag abschließen wolle – da würde jeder mal nachfragen. Die Telekom-Sprecherin Stefanie Halle kontert routiniert: Der Direktvertrieb sei nunmal ein „wichtiger Kanal”. Klar, wichtig ist er. Für die Verkaufszahlen. Nicht für die Kunden, die nachher einen Vertrag haben, den sie nicht brauchen und nicht verstehen.

„Wer keine Beratung möchte, lehnt es ab und schließt die Tür.“

Stefanie Halle, Telekom-Sprecherin

Ah ja. Also einfach die Tür zumachen, wenn ein Vertriebsmitarbeiter mit geschulten Verkaufsfloskeln vor einem steht. Die Verbraucherzentrale gibt dazu den realistischen Kommentar: Bei Haustürgeschäften fehlten Vergleichsmöglichkeiten, während auf der anderen Seite „gut geschulte Verkaufsprofis technisch oft unbedarften Kunden“ gegenüberstünden. Genau. Das ist die Realität. Alt-Senioren, die plötzlich einem freundlichen Menschen gegenüberstehen, der sagt, er käme von der Telekom und wolle nur kurz über das neue Netz sprechen. 30 Minuten später hat Oma einen Vertrag, den sie nicht will.

Und was tut Schwerin? Die Stadtwerke warnen. Die Telekom weist zurück. Ranger behauptet, noch nie Beschwerden aus Schwerin gehört zu haben. Die Verbraucherzentrale MV hat aktuell keine Hinweise – großartig, damit ist die Sache dann ja wohl gegessen. Whitelabeling des Problems at its finest. Wenn niemand offiziell meckert, gibt es kein Problem. Und die Menschen, die an der Tür über den Tisch gezogen wurden? Die wissen vielleicht gar nicht, wo sie sich beschweren können. Oder trauen sich nicht. Oder finden es hinterher halt doch gut, was sie unterschrieben haben.

Schwerin will Glasfaser. Alle wollen Glasfaser. Aber wenn der Weg dorthin über fragwürdige Vertriebspraktiken und eine Stadtverwaltung geht, die nur warnen, nicht aber eingreifen kann – dann gute Nacht, Landeshauptstadt. Das ist nicht nur ein Telekom-Problem. Das ist ein Regulator-Problem. Und ein Problem der Menschen, die dort unten durch die Straßengehen und Verträge abschließen, während die Politik in Schwerin über Branchenkodizes redet.

Foto: Brett Sayles / Pexels

Quellen: Nordkurier

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