Schwerin bekommt Ende April tatsächlich mal ein Wochenende, das nicht klingt wie Tagesausflug, Kurkonzert oder Verwaltungsbegleitprogramm. Laut schwerin.news steigt vom 24. bis 26. April wieder der Swinging Weekender, organisiert von Swing Schwerin und dem musiKKlub. Mit Workshops, Parade, Live-Musik und jeder Menge Lindy Hop. Das ist erst mal wirklich gut. Und gleichzeitig ein ziemlich peinlicher Reminder daran, wie sehr in dieser Stadt schon ein einziges lebendiges Kulturwochenende wie ein zivilisatorischer Durchbruch wirkt.
Wenn Normalität in Schwerin schon wie Ausnahme aussieht
Die Fakten sind klar: Nach der Premiere im vergangenen Jahr geht das Festival in die zweite Runde. Angekündigt sind unter anderem das Toolbox Orchestra aus Berlin, eine Swing Parade durch die Innenstadt, ein Abend im Wichernsaal mit der Jazzkombüse und zum Schluss der Hot Club de Schwerin mit französischem Swing im Django-Reinhardt-Geist. Dazu kommen Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene, ein Crashkurs, Brunch, Plattenbörse und Kleidertausch. Also exakt das, was eine Stadt mit Anspruch eigentlich öfter hinbekommen sollte, ohne dass sofort das Wort pulsierend aus jeder Pressemitteilung tropft.
Der Swinging Weekender sei weitaus mehr als nur ein reines Musikfestival. Vielmehr verstehe man sich als einen Ort der Begegnung.
schwerin.news nach Angaben der Organisatoren
Und genau da wird es für Schwerin interessant. Denn wenn ein ehrenamtlich organisiertes Non-Profit-Event plötzlich die Rolle übernehmen muss, einer Landeshauptstadt für drei Tage so etwas wie urbanes Leben einzuhauchen, dann ist das einerseits charmant und andererseits ein brutales Zeugnis dafür, wie klein diese Stadt kulturell oft denkt. Sobald irgendwo Menschen tanzen, Musik machen und freiwillig auf die Straße gehen, wird hier sofort so getan, als sei Barcelona kurz falsch abgebogen und am Pfaffenteich gelandet.
Schönes Festival, trauriger Maßstab
Das Festival selbst kann nichts dafür. Im Gegenteil. Gerade weil es so viel Herz, Ehrenamt und echtes Gemeinschaftsgefühl mitbringt, legt es den kulturellen Sparmodus dieser Stadt schonungslos offen. Schwerin lebt seit Jahren von der Erzählung, man sei kulturvoll, besonders und irgendwie fein. In der Praxis hängt zu oft alles an einzelnen Initiativen, die den Laden mit Engagement zusammenhalten, während der Rest der Stadt wieder geschniegelt vom Standortfaktor faselt und hofft, dass niemand nach Regelmäßigkeit fragt.
Unterm Strich bleibt also: Der Swinging Weekender klingt super, dürfte die Innenstadt beleben und ist jeder Aufmerksamkeit wert. Aber dass so ein Wochenende hier sofort wie eine Sensation wirkt, sagt über Schwerin fast noch mehr aus als über den Swing. Nämlich dass kulturelle Lebendigkeit in dieser Stadt immer noch zu oft wie ein Gastspiel behandelt wird, statt wie ein Normalzustand.
Quellen: schwerin.news
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