Gesellschaft

Suche nach Mitschülern nach 60 Jahren — in Schwerin ist noch wer von 1966

Schwerin. Harry Hahnfeldt hat ein Problem. Oder besser: Harry Hahnfeldt hat 20 Probleme. 20 Namen, genauer gesagt. Menschen, mit denen er vor sechzig Jahren in einer Klasse saß. Heute weiß er nicht, wo sie sind. Manche sind verzogen. Manche sind tot. Manche sind einfach — weg. Wie in einer Edward-St.-„Wo ist der Walter?“-Folge, nur ohne Komiker.

Die Klasse 10a der Erich-Weinert-Oberschule. Schulzeit 1955 bis 1966. Sechs Jahrzehnte ist das her. Jetzt will man sich wiedersehen. Elvira Rahner-Griffel lebt in Nordhausen und hat einfach mal angerufen. „Mithelfen, ja — aber am Ende bleibt doch das meiste bei mir hängen“, sagt Hahnfeldt. Verständlich. In Schwerin bleibt immer alles bei dem hängen, der gerade da ist.

Die Liste der Vermissten liest sich wie ein Friedhofsregister

„Reinhard N., Wolfgang W., Peter A., Günter B., Hans-Jürgen D., Jürgen G., Ingo J., Klaus-Dieter L., Helga G., Elke S.“

Sozialforscher nennen das Verfall. Schweriner nennen das Normalität. Damit ist nicht gemeint, dass man mit dem Leben zufrieden ist — sondern dass man sich wie in Schwerin üblich an das klammert, was gerade noch da war, statt nach vorne zu gucken. Ein Klassentreffen nach sechzig Jahren — das ist ja an sich schon bemerkenswert. Die Meisten hätten nach dreißig Jahren aufgehört zu suchen. Aber Schwerin gibt nicht auf. Man klingelt sich durch. Fragt in alten Geschäften. Läuft durch die Stadt. Wie ein Detektiv, nur ohne Fall.

Denn seien wir ehrlich: Die Liste der Vermissten liest sich nicht gerade wie das Who’s Who der Weltgeschichte. Reinhard N., Wolfgang W., Klaus-Dieter L. — das sind keine Menschen, nach denen Interpol fahndet. Das sind Menschen, nach denen höchstens ein Schulsekretariat fahndet. Und selbst da nicht mehr wirklich.

Das Klassentreffen ist für den 29. August 2026 geplant. 17 Uhr. Lindengarten, Lübecker Straße. Wer noch jemanden kennt, der jemanden kennt — Harry Hahnfeldt ist unter 0172 3194848 erreichbar. Vielleicht. Falls das Telefon noch funktioniert.

Foto: Suzy Hazelwood auf Pexels

Quellen: Nordkurier

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