Politik

Sozialministerin Drese dreht Filmer über Inklusion – und fordert mehr Inklusion

Im Schweriner Capitol feierte ein Film Premiere. Nicht irgendein Film – ein Film über Inklusion am Arbeitsplatz. Sozialministerin Stefanie Drese war persönlich anwesend, lobte das Projekt, sprach über die Rahmenbedingungen, forderte mehr Engagement von Unternehmen. Und irgendwas in der Pressemitteilung klang wieder nach dem, was MV immer macht: Man feiert ein Projekt und glaubt, das Problem sei damit gelöst.

11 Millionen Euro und ein Film

Drese verweist auf das Landesprogramm „Inklusive Ausbildung und Arbeit“ mit 11 Millionen Euro aus der Ausgleichsabgabe. Klingt erstmal nach was. Auf 11 Millionen Euro für ein ganzes Land, verteilt auf Jahre, für eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen – das ist ein Tropfen.

„Ganz wichtig ist es deshalb aus meiner Sicht, dass wir Unternehmen Sorgen und Ängste nehmen. Dass wir sie begleiten und fördern bei der oftmals gar nicht so schwierigen Ausstattung von inklusiven Arbeitsplätzen“, so die Ministerin.

Die Ministerin hat recht: Inklusion ist wichtig, Firmen sollen ermutigt werden, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Aber warum braucht es dafür einen Film? Weil die Worte auf Pressemitteilungen nicht mehr ausreichen? Weil die 11 Millionen Euro nicht reichen, um wirklich etwas zu bewegen, und man deshalb zur Symbolpolitik greift?

Das Problem der Provinz

MV hat eine der ältesten Bevölkerungen Deutschlands. Menschen mit Behinderungen, psychischen Einschränkungen, chronischen Erkrankungen – sie sind hier genauso präsent wie überall. Aber die Strukturen, die sie unterstützen, sind häufig unterfinanziert, unterbesetzt, unterpriorisiert. Wie wir erst gestern beim Automaten-Dialog im Schloss sahen, ist Symbolpolitik das Mittel der Wahl in MV – ob für Glücksspiel oder für Inklusion. Hauptsache, es steht in der Pressemitteilung.

Ein Film ist gut gemeint. Ein Film zeigt, dass Inklusion funktionieren kann. Ein Film gibt Menschen eine Stimme. Aber am Ende des Tages braucht es mehr als einen Film, der im Capitol Premiere feiert, während draußen auf dem ersten Arbeitsmarkt noch immer Vorbehalte bestehen. Ähnlich wie bei der Sprachtalente-Ehrung wird hier eine Einzelmaßnahme zur großen Lösung erklärt, während das strukturelle Problem bleibt.

Drese macht einen Job. Ohne Frage. Aber ein Film und 11 Millionen Euro sind nicht dasselbe wie eine flächendeckende Infrastruktur für Inklusion. Eines Tages wird MV vielleicht verstehen, dass Symbolpolitik keine Lösung ist. Bis dahin gibt es erstmal einen Film im Schweriner Capitol.

Foto: Standsome Worklifestyle / Unsplash

Quellen: Regierung MV

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