Während andere Städte zu Ostern Eier verstecken und Kinder durch Gärten jagen, hat Schwerin eine Lösung gefunden, die so pragmatisch ist wie deprimierend: Ein Mann namens „El Moe“ hat sich als Osterhase verkleidet, sich auf sein Motorrad geschwungen und liefert die süßen Üerraschungen persönlich aus – per Zweirad, weil in der Landeshauptstadt bekanntlich alles andere als die eigene Kraft auf vier Wegen stecken bleibt.
Wenn der Bus nicht kommt, kommt halt der Hase
Das NDR Nordmagazin hat El Moe dabei begleitet, wie er „schrill verkleidet und mit jeder Menge süßen Üerraschungen im Gepäck“ durch Schwerin kurvt. Was wie eine charmante Oster-Geste wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein Kommentar zum Zustand der städtischen Infrastruktur. Denn wenn ein Osterhase auf dem Motorrad durch die Stadt braust, dann nicht, weil das so lustig ist – sondern weil die Alternative wäre, auf den Bus zu warten. Und bei Schwerins Fahrplan würde Ostern mittlerweile im Herbst stattfinden.
„Ich hab’s probiert mit dem Bus. Nach 40 Minuten an der Haltestelle war mir klar: Ich schnall mir die Eier auf den Tank und fahr selbst. Literally.“
— Ein fiktiver Schweriner, der den Namen „El Moe“ zu schützen weiß
El Moes Aktion ist dabei symptomatisch für eine Stadt, in der individuelle Mobilität nicht Lifestyle, sondern Überlebensstrategie ist. In Berlin nimmt man den ÖPNV, weil man will. In Schwerin fährt man Motorrad, weil man muss. Dass dabei noch Oster-Eier abfallen, ist das Sahnehäubchen auf einem Verkehrskonzept, das seit 1990 auf „demnächst“ steht. Schwerins Jugend hat das offenbar schon längst kapiert – wie die Jugendlichen, die Motorräder auf Bahngleisen bei Lübstorf fotografierten und damit zwei Züge und die Bundespolizei zum Warten brachten.
Landeshauptstadt mit Harley-Charme
Das Schöne an Schwerin: Die Stadt liefert immer wieder Bilder, die so nirgendwo sonst möglich wären. Ein Motorrad-fahrender Osterhase zum Beispiel. Oder eine Radsporthalle ohne Dach. Oder eine Innenstadt, in der mehr Schaufenster leer sind als voll. El Moe ist in gewisser Weise der wahre Botschafter Schwerins – nicht der OB mit Anzug und Einladungspapier, sondern ein Kerl in Hasenohren auf einer Harley, der Kindern Schokolade bringt, weil sonst keiner kommt.
„Schwerin braucht mehr El Moes und weniger Strategiepapiere. Ein Motorrad-Osterhase hat mehr für die Stadt getan als das letzte Stadtmarketing-Konzept.“
— Petra M., 45, die das Nordmagazin gesehen hat und jetzt überlegt, ob sie nicht auch aufs Motorrad umsteigen sollte
Für das NDR Nordmagazin war die Geschichte ein Wohlfühlbeitrag am Karfreitag. Für Schwerin ist sie Realitätscheck: Wenn der Osterhase Motorrad fährt, dann ist das entweder urig – oder ein Hilferuf. Wahrscheinlich beides.
Und falls jemand fragt, warum Schwerin keinen Weihnachtsmann auf dem Fahrrad hat: Der wurde letztes Jahr in der Altstadt gesehen, aber nur, weil die Fußgängerzone so leer war, dass man dort Rad fahren kann. Ohne Hasenohren. Dafür mit Fahrradhelm. Das ist Schwerin im Jahr 2026: Landeshauptstadt, Schnitzel-Hochburg und jetzt auch noch Osterhasen-Metropole. Immerhin hat die Stadt Identität – wenn auch eine sehr spezielle.
Quellen: NDR Nordmagazin
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