In Zeiten, in denen Schwerin mit Leerstand, Abwanderung und einem Schloss ringt, das mehr Touristen anzieht als die gesamte Innenstadt zusammen, hat ein hiesiger Gastronomiebetrieb eine Schlacht eröffnet, die ganz Mecklenburg-Vorpommern erschüttert: das Zeppelin Restaurant reklamiert für sich, das beste Hamburger Schnitzel des gesamten Bundeslandes zu servieren.
Der Fleischlappen, der eine Region spaltet
Was wie ein harmloses Lokalrating klingt, ist in Wahrheit ein geopolitischer Akt. Denn wer das beste Schnitzel MeckPomms beansprucht, der beansprucht damit automatisch kulinarische Vormachtstellung über Rostock, Greifswald und Neubrandenburg. Das Zeppelin – ein Etablissement mit DDR-Touch, Stuhllehnen im Blümchen-Stoff-Design der achtziger Jahre und einer offenen Küche, die so offen ist wie die politische Landschaft des Landes – hat damit eine Debatte losgetreten, für die Schwerin eigentlich keine Kapazitäten hat.
„Wir haben kein Geld für Radwege, keine funktionierende Busanbindung und der Marienplatz sieht aus wie ein Escape Room, den keiner lösen will. Aber Hauptsache, das Schnitzel stimmt.“
— Renate T., 62, Rentnerin aus Lankow, die das Zeppelin seit der Wende nicht mehr betreten hat
Der Blog TouchYou hat das Phänomen akribisch dokumentiert: Demnach kostete das Hamburger Schnitzel im Zeppelin einst satte 17 Euro, wurde dann auf 19 Euro erhöht – und schließlich, als die Betreiberin merkte, dass sich niemand mehr das zweite Bier leisten konnte, auf eine „kleinere Portion“ für um die 15 Euro heruntergefahren. Ein Preismodell, das man in der Wirtschaft „Shrinkflation“ und in Schwerin einfach „Dienstag“ nennt.
25 Minuten Wartezeit – wie beim Amt, nur mit Bratkartoffeln
Besonders auffällig: die Wartezeit von 25 Minuten auf das bestellte Schnitzel. In jeder anderen Stadt wäre das ein Grund, negativ zu bewerten. In Schwerin ist es ein Qualitätsmerkmal. Schließlich wartet man hier auch 25 Minuten auf den Bus, 25 Tage auf einen Bürgeramtstermin und 25 Jahre auf eine funktionierende Umgehungsstraße. Dass das Zeppelin diese Tradition konsequent weiterführt, verdient zumindest Respekt.
„Die Qualität machts. Zwei Eier vom Naturhof drauf, Gelb noch flüssig – das kriegt man in Rostock nicht. Die müssen sich mit Fischbrötchen begnügen.“
— Marco K., 34, selbsternannter Schnitzel-Sommelier aus Wismar
Das Yankee-Schnitzel, eine Kreation mit Käse und Würzfleisch im Inneren, wird von Besuchern als „DDR meets Cordon bleu, nur ohne Anspruch“ beschrieben. Der Blog bezeichnet es als Geschmackssache – was in Schwerin ohnehin ein dehnbarer Begriff ist. Man denke nur an die Architektur der Neubaugebiete oder an die Tatsache, dass der Marienplatz als Einkaufszentrum durchgeht. Oder an den legendären Schweriner Lieferdienst-Markt, auf dem 15 von 20 Optionen Döner sind.
Gastro statt Innenstadt – Schwerins neue Strategie?
Experten sehen im Zeppelin-Phänomen ein größeres Muster: Wenn man die Innenstadt nicht retten kann, konzentriert man sich auf das, was noch funktioniert. In Schwerins Fall: Fleisch in Panade. Es ist eine Strategie, die so konsequent ist wie die Stadtwerke-Busse, die im Kreis fahren, weil sie sonst nirgendwo hin müssen. Die Schweriner Gastro-Szene hat in den letzten Jahren tatsächlich aufgeholt – wobei „aufgeholt“ in Schwerin bedeutet, dass man zumindest eine Alternative zu Imbiss-Schlachtfeldern mit Fleischgabel hat.
Ob das Zeppelin tatsächlich das beste Schnitzel MeckPomms serviert, wird sich erst herausstellen, wenn jemand aus Rostock den Test wagt. Bis dahin beansprucht Schwerin den Titel – so wie die Stadt auch den Titel der Landeshauptstadt beansprucht, obwohl das geografische Zentrum MVs woanders liegt. Irgendwo muss man ja glänzen, wenn’s mit der Politik nicht klappt.
Quellen: TouchYou
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