Schwerin. Landeshauptstadt. Stadt, die es in den letzten Jahren nicht geschafft hat, ihr Nahverkehrsnetz stabil zu halten, deren Innenstadt seit Jahrzehnten verfällt und deren Verwaltung gefühlt seit der Wende chronisch unterbesetzt ist – wie man dieser Tage an der geschlossenen Friedhofsverwaltung sehen kann. Aber hey: Die UB/FDP-Fraktion hat den nächsten gamechanger.
Der Antrag ist schnell erzählt: Die Fraktion Unabhängige Bürger/FDP will, dass der Oberbürgermeister innerhalb eines Jahres gemeinsam mit den 17 Ortsteilvertretungen geeignete Standorte für Sammelbehälter findet. Ja, richtig gelesen: 17 Ortsteile. Jeder einzelne darf mitentscheiden, wo der Aschenbecher hinkommt. Das ist Kommunalpolitik vom Feinsten. Bürokratie trifft auf Filtertips.
„Wer seine Zigarette ohnehin ausdrücken will, soll durch eine einfache, spielerische Lösung eher dazu gebracht werden, den Stummel nicht auf den Boden zu werfen.“
— Fraktion UB/FDP, Antrag vom April 2026
Spielerisch. Die Wende kam 1990.
Ganz neu ist die Idee nicht. Im vergangenen Jahr wurden in der Weststadt bereits sogenannte Abstimmungsaschenbecher aufgestellt. Raucher konnten ihre Kippen in verschiedene Fächer werfen und damit über Fragen abstimmen. Der Clou: Niemand hat kontrolliert, ob jemand überhaupt abstimmt, geschweige denn, ob die Kippen danach korrekt entsorgt wurden. Die Weststadt hat das trotzdem als Erfolg verkauft.
Jetzt soll das Modell auf ganz Schwerin ausgeweitet werden. Kosten? Nicht bekannt. Personal? Nicht bekannt. Wer die Teile wartet, wenn sie voll sind? Lassen wir mal offen. Eine stadtweite Informations- und Aufklärungskampagne ist ebenfalls Teil des Antrags. Eine Kampagne, die in einer Stadt, die es nicht schafft, eine Straßenbahn pünktlich fahren zu lassen, vermutlich genauso wirkungsvoll sein wird wie ein Briefkasten ohne Brief.
Was hier passiert, ist der klassische Schweriner Reflex: Ein Problem, das man mit gesundem Menschenverstand in einer Woche lösen könnte – mehr Mülleimer aufstellen, Bußgelder durchsetzen, fertig – wird zu einem einjährigen partizipativen Prozess mit 17 Ortsteilvertretungen aufgebläht, der am Ende ein Ergebnis liefert, das niemanden überrascht: zu wenig Aschenbecher, an den falschen Stellen, und kein Geld für die Wartung.
Foto: Kent Madsen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Quellen: schwerin.news
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