Gesellschaft

Schweriner Derby-Affäre: Liebe Frau, könnten Sie bitte verlieren? — Ein kleiner Skandal in der Bezirksliga

Schwerin. Landeshauptstadt. Und jetzt auch Schauplatz eines klitzekleinen Skandals in der Bezirksliga 10. Denn wenn in dieser Stadt irgendwo etwas schiefläuft, dann am besten gleich so, dass man es auch gleich noch als Beziehungsdrama aufziehen kann. Willkommen bei der Spielmanipulation Deluxe.

Der Anruf, der alles kaputt machte

Es ist Freitag, 16:30 Uhr. Trainer Timo Muth von der SpVg BG Schwerin nimmt ab. Ein Vorstandsmitglied seines eigenen Vereins ist dran. Und dieses Vorstandsmitglied hat eine Bitte, die so unverschämt ist, dass selbst die Boulevardpresse in Schwerin noch nie so etwas gelesen hat. »Könnten Sie bitte verlieren« — ungefähr so muss es geklungen haben. Gegen den FC Castrop-Rauxel. Das Derby. Das Spiel, das am Sonntag um 15:15 Uhr stattfindet.

Warum? Weil der FC Castrop-Rauxel Aufstiegskandidat ist. Und zur neuen Saison fusionieren die beiden Vereine — SpVg BG Schwerin und FC Castrop-Rauxel — zum großen, neuen FC Blau-Gelb Castrop-Rauxel. Einem Verein, der als frisch gebackener Landesligist in die neue Ära starten soll. Und weil das so schön wäre, hat ein Schweriner Funktionär kurzerhand beschlossen, dass man das Ergebnis ja schon mal planen könnte.

»Ich habe am Freitag gegen 16.30 Uhr einen Anruf eines Vorstandsmitglieds der Spielvereinigung Schwerin bekommen. Und es wurde etwas von mir gefordert, was ich sportlich und mit meinen persönlichen Werten nicht vertreten kann.«

— Timo Muth, Trainer SpVg BG Schwerin, zu den Ruhr Nachrichten

Muth hat sofort abgelehnt. Und dann das gemacht, was in diesem Land nur noch selten passiert: Er hat aufgeräumt. Der Mannschaft alles erzählt. Und zurückgetreten. Vor dem Derby. Einfach so. Mal sehen, ob das heutzutage noch vorkommt.

Der Verein bestätigt. Und entschuldigt sich. Und will Konsequenzen — aber erst Montag.

Vereinsvorsitzender Rainer Dinter bestätigte am Sonntagvormittag gegenüber den Ruhr Nachrichten den Manipulationsversuch. Zitat: »Es war ein Alleingang dieses Vorstandsmitglieds. Wir als Spvg Schwerin verurteilen dieses alleinige Vorgehen aufs Schärfste. Schon am Montag wird es ein Gespräch geben und wir werden Konsequenzen ziehen.«

»Wir verurteilen dieses alleinige Vorgehen aufs Schärfste. Schon am Montag wird es ein Gespräch geben.«

— Rainer Dinter, Vorsitzender SpVg BG Schwerin

Das ist die Schweriner Variante von Rechenschaft: Montag wird geredet. Vielleicht. Wenn niemand gerade in Urlaub ist. Konsequenzen werden gezogen — aber erst in der Zukunft, wo sie niemanden mehr stören. In einer Stadt, in der sogar die Verwaltung ihre Bürger lieber von Algorithmen verwalten lässt, statt Verantwortung zu übernehmen — ist es nur konsequent, dass der Vorstand seine Schandtaten auch auf Montag verschiebt.

Derweil meldet sich Marc Risse, Trainer des SV Westrich — jenes Vereins, der als Castrop-Rauxeler Aufstiegskonkurrent ebenfalls von einem Schweriner Sieg profitiert hätte. Sein Kommentar: »Ich möchte den Hut vor ihm ziehen und ihm meinen Respekt aussprechen. Das gilt auch für die Mannschaft von Schwerin, die sich sportlich bislang einwandfrei verhalten hat.«

Respekt. Für einen Verein, der gerade dabei ist, seinen eigenen Namen und seine Identität an einen Nachbarstadtverein zu verscherbeln. Respekt, weil die Männer noch nicht alle über die Zukunft informiert wurden, bevor ihr Trainer ging. Eine feine Gesellschaft.

Und währenddessen? Spielt das Derby heute um 15:15 Uhr. Ohne Trainer. Ohne klaren Verein. Mit einem Vorstand, der Montag Konsequenzen verspricht — falls noch jemand daran glaubt. In Schwerin. Landeshauptstadt. Bezirksliga. Alles wie immer.

Foto: Matthias Keil / FuPa (Symbolbild)

Quellen: FuPa, Ruhr Nachrichten

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1 Kommentar

  1. Hallo, bin ich im falschen Film?
    Die SpVgg Blau-Gelb Schwerin e.V. aus Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen) hat mit Schwerin (MV) absolut Nichts zu tun. Warum der Verein so heißt weiß ich nicht, aber der Autor dieser Internetseite kennt sich wahrscheinlich aus. Aber es ist ja nicht das erste Mal, das der Autor in seinem Schwerinhass Blödsinn schreibt.
    Man staunt immer wieder, wieviel Dummheit auf der Welt existiert. Das ist für mich das Lustige an dieser Internetseite. Also weiter so.

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