Schwerin – Das Schweriner Ballett hat eine neue Inszenierung angekündigt: die Petermännchen-Sage, auf die Bühne gebracht. Wer jetzt denkt „Ach, wie niedlich – ein lokales Märchen für die Kleinen“, der irrt. Das Petermännchen ist kein Kuschelwesen. Es ist ein fischiger Dämon aus dem Schweriner See, der Schiffer in den Tod zieht. Das ist die Lokalgeschichte, die man hier auf die Bühne bringt.
Und irgendwie passt das. Denn wenn eine Stadt wie Schwerin beschließt, kulturell aufzuschließen, dann eben nicht mit zeitgenössischem Tanztheater oder internationalen Gastspielen. Nein. Dann holt man das See-Monster aus der Mottenkiste und drapiert es in Spitze. Das ist kein Kulturprogramm – das ist Heimatmuseum mit Schrittfehler, wie das Staatstheater es gerade in seiner „Kulturhaus, mon amour“-Komödie verhandelt.
Provinzkrampf als Eventkultur
Das Petermännchen, auch Pasterknüst genannt, ist ein mythisches Wesen der Schweriner Seenlandschaft. Der Sage nach soll es Schiffer in den Tod locken.
— Schweriner Stadtgeschichte, Überlieferung
Man stelle sich die Pressekonferenz vor: „Wir haben uns Gedanken gemacht, was Schwerin kulturell aus der Deckung bringt. Nach langer Debatte – und dem gescheiterten Versuch, einen Drogeriemarkt als Kulturort zu etablieren – haben wir uns entschieden: Das Monster. Auf die Bühne. Mit Hüften.“ Das Staatstheater wird es zu schätzen wissen.
Natürlich ist es wichtig, lokale Mythen zu pflegen. Natürlich ist es gut, wenn eine Stadt sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzt. Nur: Wenn das der kulturelle Höhepunkt der Saison ist, dann ist das weniger „Volkskunst“ als vielmehr eine Veranstaltung, zu der außer dem Heimatverein und drei Rentnerinnen niemand kommt.
Immerhin: Man hat sich für die Petermännchen-Sage entschieden und nicht für eine choreografische Aufarbeitung der SDS-Mülltrennungsrichtlinien. Das ist, bei aller Kritik, dann doch ein Unterschied.
Foto: Lucas Law / Unsplash
Quellen: NDR.de
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