Kultur

Schwerin verneigt sich vor Armin Mueller-Stahl — und das ist auch gut so

Schwerin. Die Landeshauptstadt. Hier eröffnet man Ausstellungen für Menschen, die das Rentenalter vor Jahrzehnten erreicht haben, in einem Kulturforum, das nach einem Bundesland benannt ist, das nicht Mecklenburg-Vorpommern ist. Am Samstag war es wieder so weit: Armin Mueller-Stahl, 95 Jahre alt, Filmlegende, oscarnominierter DDR-Bürger, Ausnahme-Schauspieler. Die Ausstellung heißt „Filme Farben Formen“. Klingt nach dem, was passiert, wenn ein alter Mann merkt, dass er nicht mehr so häufig vor der Kamera steht.

Im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus. Nicht in einem Schweriner Museum. Nicht im Schleswig-Holstein-Haus, nein — im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus. Man muss da genau aufpassen. Das Filmkunstfest MV verleiht ihm den Ehrenpreis „Goldener Ochse“. Klingt nach einer Auszeichnung für besondere Verdienste in der Landwirtschaft. Ist aber das Wichtigste, was Mecklenburg-Vorpommern zu vergeben hat. Ein Filmpreis in Bronze. Für einen Mann, der in Tilsit geboren wurde und in Sierksdorf lebt. Willkommen in der provinziellen Hauptstadt — wo selbst Rückkehrer aus Shanghai in Geister-Passagen landen.

Ein Mann, der die Welt gesehen hat — und ausgerechnet hier gelandet ist

„Armin Mueller-Stahl zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schauspielern des 20. Jahrhunderts.“

Ja. Ohne Zweifel. Der Mann war in Hollywood. Hat mit den Größten gearbeitet. Und jetzt hängt sein Zeug in einem Schweriner Kulturforum, das nach einem anderen Bundesland benannt ist, und das ganze Land feiert das wie eine kulturelle Großtat. Dabei sollte man eigentlich feiern, dass Mueller-Stahl nach MV kommt — nicht das Ausstellen seiner Bilder. Das ist trauriger als die Ausstellung selbst.

Denn seien wir ehrlich: Dass das Filmkunstfest MV in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag feiert, ist an sich schon bemerkenswert. 35 Jahre Filmkunstfest — in einer Stadt, die es kaum schafft, ein eigenes Kino dauerhaft zu betreiben. Aber hey: Man hat den Mueller-Stahl. Und das ist ja auch was.

Foto: Bruno Altea auf Unsplash

Quellen: Nordkurier

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