Kultur

Schwerin träumt von der Elphi am See – und die Wirklichkeit kennt nur ein Tempo: keins

Da posaunt ein Trompeter durch Schwerin, was die Stadt alles bräuchte: einen Konzertsaal. 500 bis 700 Plätze. Multifunktional. Am liebsten im Marstall. Wie die Elbphilharmonie, nur eben für 100.000 Einwohner statt für eine Millionenstadt. Der Verein „Ein Konzertsaal für Schwerin“ hat 14 Gründungsmitglieder. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 14 Musiker wollen der gesamten Landeshauptstadt Kulturmission aufdrücken.

Größenwahn mit Brief und Siegel

Schwerin. Die Stadt, in der der Pfaffenteich seit Jahren halb leer vor sich hin gammelt. Die Stadt, in der das Schelfquartier seit gefühlt einem Jahrzehnt auf einen Mieter wartet. Die Stadt, in der jeder Radweg zur never ending story wird. Und jetzt? Jetzt soll das Mittelteil vom Marstall, eine Landesliegenschaft, zur glamourösen Konzerthalle für ganz Mecklenburg-Vorpommern umgebaut werden. Klar. Logisch. Warum auch nicht.

„Wir können jetzt nicht darauf warten, dass die Politik sagt: ‚Oh, wir haben jetzt auf einmal 80 Millionen übrig.‘ Das wird halt nie passieren.“

Florian Weber, Trompeter der Mecklenburgischen Staatskapelle

Danke für die Ehrlichkeit, Herr Weber. Dass 80 Millionen Euro nicht einfach so im Haushalt rumliegen, das hätte man auch ohne dreijähriges Vereinsgeplänkel verstehen können. Aber gut. Jetzt soll also bürgerschaftliches Interesse den Schub bringen. Heißt im Klartext: Bürger, haut mal Cash rüber für eine Machbarkeitsstudie. Bezahlt die, während die Ministerin Martin (SPD) seit drei Jahren keinen Termin für euch übrig hat. Danke auch, Frau Martin. Kulturelles Engagement wird hier wirklich belohnt.

In Hamburg hat die Elbphilharmonie 789 Millionen Euro gekostet, 2.100 Plätze, zehn Jahre Bauzeit. In Neubrandenburg gibt es die Konzertkirche – eine ehemalige Backsteinkirche, kein Neubau. Und Schwerin? Schwerin will jetzt ein eigenes Prestigeobjekt. Für eine Stadt, die es nicht mal schafft, die eigenen Straßenlampen flächendeckend in Schuss zu halten. Respekt. Bisschen mehr wäre nicht schlecht, aber hey – Träume sind ja bekanntlich kostenlos. Nur die Umsetzung, die wird teuer. Sehr teuer. Und irgendwann wird der Bürger dafür blechen.

Foto: Wolfgang Weiser / Pexels

Quellen: NDR MV

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