Kultur

Schwerin toppt im Konzertsommer so manche Großstadt – und niemand hats gemerkt

Schwerin kann Open Air. Das sagt eine Studie. Von Camel Active. Einer Outdoor-Bekleidungsmarke. Die will natürlich auch was verkaufen. Aber gut. Man nimmt das Ergebnis trotzdem mal so hin, denn: Schwerin hat tatsächlich 45 Open-Air-Konzerte im Sommer 2026. Das ist mehr als manche Großstadt. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen.

Auf der Freilichtbühne, im Schlossinnenhof, auf der Pappelpark-Bühne. Nena, Wincent Weiss, The BossHoss, OMD, Silly, Howard Carpendale, Clueso. Und zwischendurch Rammstein-Tribute, Tocotronic, Saltatio Mortis. Und das alles in einer Stadt mit knapp 96.000 Einwohnern. Da kann die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern schon mal stolz sein auf sich selbst.

Die Überraschung des Sommers kommt aus Schwerin

In der Studie heißt es wörtlich: „Die größte Überraschung des Sommers kommt aus Mecklenburg-Vorpommern.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Schwerin. Überraschung. Deutschlands Konzertsommer. Nicht Berlin, nicht Hamburg, nicht München – sondern Schwerin. Wenn das kein Grund ist, sich feiern zu lassen, dann weiß man auch nicht mehr weiter.

45 Konzerte. Drei Spielorte. Eine Stadt. Und niemand in Berlin hat das auf dem Schirm. Aber das ist okay. Schwerin macht das trotzdem. Leise, bescheiden, aber mit ordentlich Bass.

Besonders hervorgehoben wird das Clueso-Konzert am 15. August, das Schwerin „auf die Landkarte des deutschen Konzertsommers setzt“. Nicht auf die Überholspur. Nicht auf die Autobahn. Nur auf die Landkarte. Aber für Schwerin ist das schon was. Das muss man anerkennen. Und wenn man schon dabei ist, sich über kulturelles Selbstbewusstsein zu freuen: Schwerin bekommt ein Museum – aber das wars dann auch mit den guten Nachrichten. Aber hey, das Museum kommt. Vielleicht.

Und weil das noch nicht genug ist: Seit 2022 verwandelt der Musikklub den Marktplatz in ein Open-Air-Wohnzimmer. 30 kostenlose Straßenmusik-Konzerte zwischen Mai und September. Bis zu 1.500 Besucher pro Konzert. Das ist mehr, als manch größere Stadt an normalen Tagen Besucher hat. Schwerin. Einfach kann man’schieben. 83 Millionen für Gartenschau – da scheint jemand die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Oder auch nicht. Aber Schwerin macht Events. Das muss man ihr lassen.

Das alles klingt jetzt natürlich nach einem ziemlich positiven Bild. Und ja, die Stadt freut sich. Zu Recht. Nur eines bleibt anzumerken: Eine Outdoor-Bekleidungsmarke hat Schwerin auf die touristische Landkarte gesetzt. Nicht die Stadtverwaltung. Nicht das Kulturamt. Nicht die Tourismuszentrale. Sondern eine Firma, die Regenjacken verkauft. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt – wahrscheinlich ein Sponsoring-Deal mit einer Matratzenfirma für den Schlachthof.

Foto: Unsplash

Quellen: Nordkurier

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