Kurioses

Schwerin stellt Illusionisten als Stadtmarketing-Chef ein: „Wir sind eine Metropole, man muss es nur richtig inszenieren“

Schwerin hat es satt. Seit Jahren nennt sich die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns selbst „Metropole am Wasser“ und seit Jahren lachen Rostocker, Berliner und im Grunde alle anderen darüber. Doch jetzt schlägt die Stadt zurück: Mit sofortiger Wirkung wird der international tätige Bühnenzauberer Marcelo Fantastico (47) als neuer Leiter des Stadtmarketings eingestellt.

„Herr Fantastico hat über 20 Jahre Erfahrung darin, Dinge größer erscheinen zu lassen, als sie sind“, erklärte Interims-Bürgermeister Bernd Nottebaum bei einer Pressekonferenz im Schloss, die von 14 Zuschauern besucht wurde. „Wer eine Kaninchenkolonie aus einem leeren Hut zaubern kann, kann auch 98.000 Einwohner wie eine Millionenstadt wirken lassen.“

Der „Schwerin-Effekt“: Große Perspektiven für eine kleine Stadt

Fantastico, der zuvor für eine Liechtensteiner Tourismusbehörde arbeitete und das Fürstentum kurzzeitig als „Alpen-Metropole“ vermarktete, präsentierte gleich in seiner ersten Woche ein ambitioniertes Programm. „Der Schlüssel ist die Inszenierung“, erklärte der Illusionist bei einem Spaziergang durch die halbleere Innenstadt. „Sehen Sie diese Straße? Wenn man am Anfang ein Weitwinkel-Perspektivfoto macht und ein paar Mitarbeiter in verschiedenen Kleidungen mehrmals vorbeilaufen lässt, haben Sie hier eine geschäftige Einkaufsmeile.“

Die geplanten Maßnahmen klingen auf den ersten Blick durchdacht, auf den zweiten wie ein Programmheft eines Zirkus:

An den Stadteingängen werden sogenannte „Perspektiv-Schilder“ installiert, die durch optische Täuschung den Eindruck erwecken, Schwerin sei deutlich größer. Dazu kommen Lautsprecher in der Innenstadt, die ambiente Großstadtsounds abspielen: Verkehr, Trambahnklingeln und das Rauschen einer belebten Fußgängerzone. „Es gibt eine Aufnahme aus Leipzig, die ist perfekt“, so Fantastico. „Die Leute werden denken, sie sind am Augustusplatz.“

Wenn man auf Google Maps Schwerin vergrößert und Rostock rauszoomt, ist das quasi das Gleiche wie eine echte Metropole.

Marcelo Fantastico, Stadtmarketing-Chef (seit 3 Tagen)

Besonders stolz ist Fantastico auf das Nachtpilot-Projekt am Schweriner See: Dort soll per Laser-Projektion eine fiktive Skyline abgebildet werden. „Man sieht von Zippendorf aus eine fantastische Silhouette mit Hochhäusern“, schwärmte er. „Immer wenn Touristen näher kommen und merken, dass es nur Wasser ist, ist das halt… Metaphysisch. Ganz im Sinne der Schweriner Identität.“

Kritik kommt prompt, Begeisterung auch

Die Opposition in der Stadtvertretung zeigte sich entsetzt. „Das ist doch absurd“, erklärte ein Stadtrat. „Für das Geld hätten wir eine Buslinie verlängern können, die dann auch tatsächlich existiert.“ Andere zeigten sich pragmatischer: „Wenn es funktioniert und die Leute herkommen, bevor sie merken, dass es nicht stimmt, ist das doch genau unser Geschäftsmodell“, meinte ein weiterer Vertreter.

Der Schwerin-Patriot am Pfaffenteich, der anonym bleiben wollte, zeigte sich begeistert. „Endlich jemand, der versteht, was wir hier haben. Das Schloss ist ja auch eine Illusion, das drin ja bloß der Landtag sitzt.“

Ob die Maßnahmen greifen, wird sich zeigen. Erste Erfolge sind jedenfalls zu vermelden: Drei Touristen aus Mecklenburg wurden beim Fotografieren der Laser-Skyline gesichtet. Sie hielten Schwerin für eine Satellitenstadt von Hamburg.

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.