Gesellschaft

Schwerin schafft 1. April ab — Satire nicht mehr von Pressemitteilungen zu unterscheiden

Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Mittwoch offiziell bekannt gegeben, den 1. April als inoffiziellen Feiertag des Humors ab sofort nicht mehr anzuerkennen. Grund: Seit Jahren könne niemand mehr zuverlässig unterscheiden, ob eine Meldung aus dem Schweriner Rathaus ein Aprilscherz sei oder eine echte Pressemitteilung.

„Wir haben intern ausgewertet, wie viele unserer Pressemitteilungen aus den letzten zwölf Monaten von Bürgern für Satire gehalten wurden“, erklärte die kommissarische Sprecherin der Stadtverwaltung, Brigitte Fensterlos. „Das Ergebnis lag bei 74 Prozent. Das können wir uns nicht mehr leisten.“

Arbeitsgruppe „Realitätswahrnehmung“ eingesetzt

Bereits im Februar hatte die Stadtvertretung eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit dem Titel „Realitätswahrnehmung im kommunalen Kontext“ eingerichtet. Die Gruppe, bestehend aus drei Stadträten, einem Mediationscoach und einer pensionierten Deutschlehrerin, traf sich bislang zweimal — beide Termine wurden wegen Terminüberschneidungen mit dem Seniorenkaffee abgesagt und auf unbestimmte Zeit vertagt.

„Wenn die Stadt schreibt, sie investiere 85 Millionen Euro in ein Archivgebäude, und das klingt weniger glaubwürdig als ‚Schwerin führt Mautgebühr für Fußgänger ein‘ — dann haben wir ein strukturelles Problem.“

Dr. Hartmut Verlegenheit, Dezernent für Öffentlichkeitswahrnehmung (kommissarisch)

Laut einer nicht repräsentativen Umfrage der Stadtverwaltung glauben 68 Prozent der Schweriner, dass die Meldung „Schwerin wächst“ vom vergangenen Jahr ein Aprilscherz war. Sie war keiner. 127 Menschen waren tatsächlich zugezogen — überwiegend, wie sich herausstellte, weil sie sich in der S-Bahn nach Hamburg verfahren hatten.

Postillon erwägt Schwerin-Rubrik zu schließen

Auch überregional hat Schwerins Entscheidung Wellen geschlagen. Der Postillon soll angeblich erwägen, seine geplante Schwerin-Rubrik wieder einzustellen. „Wir können nicht mit einer Stadt konkurrieren, die sich selbst satirisch überholt“, wird ein angeblicher Mitarbeiter des Satiremagazins zitiert. „Die schreiben Pressemitteilungen, die wir nicht besser erfinden könnten.“

Die SVZ, Schwerins einzige Tageszeitung mit einem Leserdurchschnittsalter von 63 Jahren, reagierte gelassen. „Unsere Leser wissen ohnehin nicht, welcher Tag heute ist“, teilte die Redaktion mit. Ob das ein Scherz war, blieb unklar.

Die Abschaffung des 1. April tritt rückwirkend zum 31. März in Kraft. Eine offizielle Bekanntmachung war geplant, wurde aber aus Gründen der Glaubwürdigkeit auf den 2. April verschoben. Die Pressemitteilung dazu wurde bereits als Satire eingestuft.

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