Schwerin. Die Landeshauptstadt hatte sich für den gestrigen Rückkehrertag 2026 im Coworking-Space am Pfaffenteich ordentlich ins Zeug gelegt: 14 Arbeitgeber, ein Willkommenspaket mit Schlüsselanhänger und ein Aufsteller, der „Schwerin — Hier will ich bleiben!“ verkündete. Was fehlte, waren die Rückkehrer.
Gegen 14:30 Uhr, eine halbe Stunde nach Eröffnung, betrat dann doch ein junger Mann die Halle. Kurze Aufregung bei den Ausstellern: Visitenkarten wurden gezückt, Broschüren aufgefächert, ein Personalchef stand sogar auf. Der Mann fragte nach der Toilette, bedankte sich höflich und verließ das Gebäude durch den Hinterausgang.
„Wir werten das als Teilerfolg“
Die Stadtverwaltung zeigte sich dennoch zufrieden. „Wir haben eine Person erreicht, die aktiv einen Raum in Schwerin aufgesucht hat. Das ist ein klares Signal“, erklärte die Beauftragte für Rückkehrmarketing, Silke Wendeborn-Hoffmann. Gegenüber dem Vorjahr sei das eine Steigerung um hundert Prozent — 2025 hatte sich niemand verirrt.
„Wir hatten drei Bewerber für die Stelle ‚Koordinator Rückkehrertag‘. Alle drei sind während des Bewerbungsgesprächs nach Hamburg gezogen.“
Silke Wendeborn-Hoffmann, Dezernentin für Rückwanderungsangelegenheiten
Die 14 anwesenden Arbeitgeber — darunter zwei Pflegeheime, das Finanzamt, ein Bestattungsunternehmen und die NVS — hatten sich auf den Ansturm vorbereitet. Am Stand der Nahverkehr Schwerin GmbH lag eine Broschüre aus, die den ÖPNV als „charmante Alternative zum Auto“ bezeichnete. Darunter stand in kleiner Schrift: „Gilt Montag bis Freitag, 6-19 Uhr, ausgenommen Feiertage, Ferien, Regen, Personalausfall und Dienstage.“
Catering für 200, gegessen wurde für einen halben
Besonders bitter: Die Stadt hatte ein Catering für 200 Personen bestellt. „Optimistische Planung gehört zu unserem Markenkern“, so Wendeborn-Hoffmann. Die 398 belegten Brötchen wurden am Abend an die Schweriner Tafel gespendet. „Das ist ja fast schon eine eigene Rückkehr-Maßnahme — über den Magen“, kommentierte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der die Reste abtransportierte.
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion „Warum ich zurückgekommen bin“ — die mangels Podiumsteilnehmern durch einen Vortrag des Interims-OB Bernd Nottebaum ersetzt wurde. Titel: „Schwerin 2030 — Vision einer Stadt, in der man theoretisch leben könnte.“ Drei der vier anwesenden Journalisten verließen den Raum nach zehn Minuten. Der vierte schlief ein.
Am Ende des Tages konnte die Stadt immerhin einen Erfolg vermelden: Der Toiletten-Besucher hatte beim Verlassen der Halle den Schlüsselanhänger eingesteckt — möglicherweise, um der kürzlich eingeführten Abwanderungsgebühr zu entgehen. „Das zählen wir als qualifizierten Kontakt“, bestätigte die Pressestelle. Ob der Mann tatsächlich aus Schwerin stammt oder jemals hier gelebt hat, konnte nicht ermittelt werden. Er soll einen Hamburger Akzent gehabt haben.
Der nächste Rückkehrertag findet 2027 statt — sofern bis dahin jemand zum Zurückkehren übrig ist.
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