Infrastruktur

Schwerin schenkt Lieferanten 30 Minuten mehr Fußgängerzone — Revolution der halben Stunde

Es gibt Nachrichten, die die Welt verändern. Und dann gibt es Nachrichten aus Schwerin. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, die Poller-Öffnungszeiten in der Fußgängerzone um sage und schreibe 30 Minuten zu verlängern. Abends dürfen Lieferfahrzeuge nun bis 20 Uhr statt 19:30 Uhr durch die heiligen Hallen der Schweriner Innenstadt rollen.

Eine halbe Stunde, die alles verändert — oder auch nicht

Bisher galt: Montag bis Samstag von 7:30 bis 10 Uhr morgens und von 18 bis 19:30 Uhr abends durften Lieferfahrzeuge die Fußgängerzone befahren. Das reichte offenbar nicht. Die anliegenden Geschäfte — ja, die gibt es noch — haben sich beschwert. Verständlich: Wenn man ohnehin nur noch drei Kunden am Tag hat, will man wenigstens sicher sein, dass die Ware rechtzeitig im Laden steht.

„Die Neuregelung wird zunächst ein Jahr getestet, um zu ermitteln, ob die Verlängerung am Abend in der Praxis tatsächlich hilfreich ist und genutzt wird.“ — Citymanager Stefan Putz

Ein Jahr Testphase. Für 30 Minuten. In Schwerin braucht man ein ganzes Jahr, um herauszufinden, ob eine halbe Stunde einen Unterschied macht. In anderen Städten baut man in der Zeit eine neue U-Bahn-Linie. Hier testet man, ob der DHL-Bote es schafft, zwischen 19:30 und 20 Uhr noch eine Palette Klopapier zu Rossmann zu bringen.

Die Beschilderung wird am 8. April aktualisiert — man will ja nichts überstürzen

Besonders charmant: Die Beschilderung wird erst am 8. April aktualisiert. Die Entscheidung steht, aber die Schilder brauchen noch ein paar Tage. Vermutlich müssen die erst durch den Schilderausschuss, dann durch den Unterausschuss für Verkehrsbeschilderung im innerstädtischen Bereich, und anschließend wird geprüft, ob die Schriftgröße DIN-konform ist.

Immerhin: Für den Individualverkehr bleibt die Fußgängerzone natürlich gesperrt. Ausnahmen gibt es nur für Feuerwehr, Umzüge, Privatzufahrten und Havarien. Oder anders gesagt: Wenn Ihr Haus brennt, dürfen Sie mit dem Auto in die Fußgängerzone. Für den Wocheneinkauf bei Edeka müssen Sie weiterhin zu Fuß gehen — wie die restlichen 95.000 Schweriner, die das Wort „Fußgängerzone“ offenbar wörtlich nehmen sollen.

Quellen: Landeshauptstadt Schwerin

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