Politik

Schwerin pflastert Millionen-Parkplatz — während die Radsporthalle ohne Dach dasteht

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus. Der Dachdecker haut ab. Was tun Sie? Richtig: Erstmal die Auffahrt pflastern. Klingt absurd? Für Schwerin ist das ganz normales Projektmanagement.

Eine Million für Parkplätze — ohne Dach

Mitte März musste die Stadt beim Neubau der Radsporthalle am Lambrechtsgrund die Notbremse ziehen. Dem beauftragten Stahlbauunternehmen wurde fristlos gekündigt — die Dachkonstruktion war nicht rechtzeitig lieferbar. Die Halle steht also ohne Dach da. Schwerin, gewohnt souverän im Umgang mit Großprojekten, reagierte mit einem kühnen Schritt: Man pumpt trotzdem knapp eine Million Euro in den Neubau eines Parkplatzes. Per „nicht öffentlicher“ Sitzung, versteht sich. Transparenz ist ja auch nur so ein Dachbegriff.

Wer pflastert die Auffahrt, wenn das Haus noch kein Dach hat? Schwerin — bei der Radsporthalle.

Aber Moment — bevor wir jetzt alle mit dem Kopf schütteln: Die Million geht nicht um plötzliche Mehrkosten. Das Geld war bereits genehmigt. Es geht lediglich um die formelle Abwicklung eines Darlehens. Und der Parkplatz könnte tatsächlich eine logistische Notwendigkeit sein: Wenn irgendwann mal ein neuer Stahlbauer mit schwerem Equipment anrückt, braucht man eben einen befestigten Untergrund. Ob das jetzt Parkplatz oder „Bereitstellungsraum für die Rettung des Daches“ heißt — das ist nur Wortklauberei.

Schwerins Bauprojekte: Immer mit Plan, selten mit Dach

Der wahre Skandal ist nicht die Million. Der wahre Skandal ist die Intransparenz. Wieder einmal werden Millionen ausgegeben, ohne dass die Öffentlichkeit informiert wird. Während das Rathaus hinter verschlossenen Türen über Parkplatzkredite berät, steht am Lambrechtsgrund eine millionenteure Halle ohne Dach — und der nächste Frühling droht, sie durchnässt.

Die Stadt betont, dass der Parkplatzbau und die Hallenkonstruktion zwei völlig getrennte Verträge sind. Ein Baustopp für den Tiefbauer würde nur Vertragsstrafen nach sich ziehen. Klingt logisch. Klingt nach Projektmanagement. Klingt aber auch ein bisschen so, als würde man das Orchester weiter spielen lassen, während das Schiff sinkt.

Das Einzige, was am Lambrechtsgrund aktuell wirklich reibungslos zu laufen scheint, ist übrigens der Parkplatz. Millionen für Stellplätze, während die Halle schimmert — pardon, schimmeln könnte. Schwerin eben. Stadt der Seen, der Schlösser und der unbezahlten Dachdecker.

Quellen: schwerin.news

Bildquelle: Jan Huber / Unsplash

Zuvor bei uns: Radsporthalle: Von 15 auf 25 Millionen | Schwesig versenkt Zeitkapsel für Fahrradparkhaus

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