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Schwerin macht 300 Tage Grau zum Tourismus-Highlight: Premium-Grauwellness statt Strandurlaub

SCHWERIN. Während andere Städte mit Sonnenstunden, Stränden und blauem Himmel werben, hat Schwerin seine wahre Stärke erkannt: 300 Tage grau pro Jahr. Die Landeshauptstadt präsentiert ab sofort das neue Tourismuskonzept „Schwerin Grau – Stille ist der neue Luxus“ und will damit bewusst das Gegenteil von allen machen.

„Wir haben jahrzehntelang versucht, so zu tun als wäre Schwerin eine Perle am See“, erklärt Dr. Marion Graufeld, kommissarische Leiterin des Dezernats für Stadtentwicklung und ambitionierte Realitätsvermeidung. „Dann haben wir mal nachgeschaut. Im Schnitt 1.600 Sonnenstunden pro Jahr. Rostock hat 1.800. München hat über 2.000. Da war uns klar: Wenn wir mit Sonne nicht gewinnen können, müssen wir gegen sie antreten.“

Das Grau als Premium-Produkt

Das Konzept ist so einfach wie genial: Schwerin bewirbt sich nicht als Urlaubsziel, sondern als Entschleunigungsdestination. Grauer Himmel, leere Straßen, Restaurants die um 21 Uhr schließen – alles wird zum Feature. Die Broschüre verspricht „meditative Stille am Pfaffenteich“ und „keine Warteschlangen, nirgendwo, jemals“.

Ich bin letztes Jahr aus Versehen nach Schwerin gefahren. Wollte nach Hamburg. Die zwei Stunden Regionalexpress haben mich gezwungen, innezuhalten. Jetzt fahre ich jedes Wochenende hin. Nicht freiwillig – der Anschluss existiert nicht.

Jens-Holger Wehrend, 54, aus Ratzeburg

Der Name des Konzepts ist bereits beim DPMA als Wortmarke eingetragen: „Schwerin Grau™“ – ein Begriff, der künftig eine eigene Pantone-Farbe bekommen soll. Entwickelt wurde er von einer Berliner Agentur, die nach eigener Aussage „zum ersten Mal eine Stadt gesehen hat, deren Farbpalette aus einer einzigen Grautonleiter besteht und gesagt hat: Perfekt, das ist konsistentes Branding.“

Erste Buchungen sind bereits eingegangen. Laut Tourismusamt haben 847 Niederländer ein sogenanntes „Graupaket“ gebucht, das eine Übernachtung im Kressmann-Obergeschoss, eine geführte Leerstand-Tour durch den Marienplatz und ein stoisch-schweigendes Mittagessen am Pfaffenteich beinhaltet. „Die Niederländer sind unser Kernmarkt“, so Graufeld. „Die kommen von zu viel Hektik, Sonne und positiver Lebensenergie. Schwerin ist das perfekte Gegenmittel.“

Entschleunigung mit Ansage

Besonders beliebt: die Silent Schwerin Tour, bei der Gäste ab 20 Uhr durch eine komplett menschenleere Innenstadt geführt werden. „Wir nennen es das Schwerin-Erlebnis in Reinform“, sagt Organisator Falk Reinhardt, zuständig für das Projekt Stillstandserlebnismanagement. „Nach 20 Uhr ist hier alles leer. Das ist kein Bug, das ist ein Feature.“

Kritik kommt wie immer von den Einheimischen. „Touristen zahlen Geld dafür, dass wir arm und traurig sind?“, fragt Rentner Gerd-Peter Moormann am Pfaffenteich. Er sitzt seit 40 Jahren auf der gleichen Bank. „Wenn die rausfinden, dass das hier kein Wellness-Arrangement ist, sondern einfach nur Schwerin, wollen die ihr Geld zurück.“

Die Stadt ist eine Natur-Therapie. Man wird gezwungen, innezuhalten. Und wenn man aussteigen will, fährt der nächste Bus erst in 25 Minuten. Oder gar nicht, falls man nach 19 Uhr unterwegs ist.

Falk Reinhardt, Projekt Stillstandserlebnismanagement

Eine geplante Kooperation mit dem Schloss scheiterte vorerst daran, dass der Landtag die Räume nicht freigeben will. Man fürchtet, Grautouristen könnten während einer Parlamentssitzung ins Grübeln geraten und nachhaltig die Sinnfrage stellen. „Wir haben genug Probleme mit unseren eigenen Abgeordneten“, so ein Sprecher des Landtags. „Wenn jetzt auch noch Touristen anfangen, über den Ist-Zustand nachzudenken, kippt die Stimmung komplett.“

Das Graupaket kostet 189 Euro pro Wochenende. Das ist inklusive der Busfahrt vom Hauptbahnhof zum Pfaffenteich – sofern die NVS pünktlich kommt, was nach eigener Aussage „irgendwann mal geplant ist“.

Quellenangabe: Keine. Es handelt sich um eine fiktive Satire-Meldung.

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