Gesellschaft

Schwerin lehnt Denkmalschutz für Lenin ab – Statue soll künftig einfach nur noch peinlich herumstehen

Schwerin hat mal wieder bewiesen, dass diese Stadt selbst bei 3,20 Metern Bronze noch einen Verwaltungsstil findet, der nach Wartezimmer und kaltem Filterkaffee schmeckt. Die Stadtvertretung sprach sich mit deutlicher Mehrheit dagegen aus, die Lenin-Statue in Neu Zippendorf unter Denkmalschutz zu stellen. Damit hat Schwerin zwar noch nicht entschieden, was mit dem Monument am Ende passiert – aber immerhin offiziell festgehalten, dass man die eigene Geschichte gern so behandelt wie eine alte Schrankwand aus der DDR: zu sperrig zum Wegwerfen, zu unerquicklich zum Behalten.

Bronze ja, Würde eher schwierig

Laut NDR wurde die Statue 1985 errichtet, also in einer Zeit, in der man in Schwerin noch glaubte, Betonplatten und Weltanschauung ließen sich dauerhaft in die Landschaft nageln. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hält sie für historisch bedeutsam, weil sie das letzte öffentliche Denkmal dieser Art in Deutschland sei. Die Stadtvertretung sah das deutlich weniger romantisch und stellte stattdessen fest, dass die Figur für viele politisch Verfolgte und Opferverbände ein Symbol für Unterdrückung, Gewalt und Entrechtung ist. Man kann also sagen: Die historische Einordnung ist kompliziert, die Peinlichkeit hingegen angenehm eindeutig.

„Schwerin schafft es wie keine zweite Landeshauptstadt, gleichzeitig erinnerungspolitisch überfordert und verwaltungstechnisch gelangweilt zu wirken“, erklärte ein fiktiver Beobachter des Demmlersaals, der sicherheitshalber trotzdem keinen Denkmalstatus beantragt hat.

Besonders elegant ist dabei die Schweriner Spezialdisziplin: Haltung outsourcen. Denn endgültig entscheidet nicht die Stadt, sondern die zuständige Landesbehörde. Schwerin sendet also ein politisches Signal, das ungefähr so klingt wie: Bitte nehmt uns diese unangenehme Frage ab, wir würden uns inzwischen gern wieder wichtigeren Themen widmen – etwa neuen Bronze-Debatten auf dem Schlachtermarkt oder der grundsätzlich beliebten Methode, erst einmal zu prüfen, ob überhaupt ein Problem existiert.

Landeshauptstadt der vertagten Klarheit

Die Debatte im Demmlersaal war laut Originalbericht emotional und heiß. Verständlich: Wer in einer Landeshauptstadt lebt, erwartet gelegentlich, dass sie mit Geschichte mehr anfängt als mit symbolischem Wegducken. Doch Schwerin bleibt sich treu. Hier wird nicht aufgelöst, hier wird abgelegt. Möglichst mit Aktenzeichen, Ausschussverweis und der stillen Hoffnung, dass sich das Problem irgendwann selbst historisiert.

Am Ende steht also kein Denkmalfrieden, sondern nur die nächste Folge einer sehr schweren Serie namens „Schwerin verwaltet seine Widersprüche weg“. Für eine Stadt, die sich gern Kulisse nennt, ist das fast schon poetisch: Selbst Lenin darf hier nicht Geschichte sein. Er muss weiter einfach nur herumstehen und daran erinnern, dass diese Stadt sogar bei Symbolen lieber im Konjunktiv lebt.

Quellen: NDR

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