Gesellschaft

Schwerin Lankow: Die Stadt, in der Armut ein Fall für Globuli ist

Schwerin-Lankow. Jeden Montagnachmittag wird im Stadtteilbüro eine kostenlose Naturheilpraxis für bedürftige Menschen angeboten. Ehrenamtliche Therapeutinnen behandeln, ohne Termin, ohne Zuzahlung. Das ist, wie man so sagt, eine gute Sache. Eine richtig gute Sache. Und genau deshalb sollte man sich fragen: Warum muss das in einer Stadt, deren Haushalt jedes Jahr Millionenüberschüsse produziert, überhaupt erst durch Ehrenamtliche organisiert werden?

In die Praxis kommen vor allem Alleinerziehende Mütter und Rentner. Menschen mit chronischen Beschwerden, die sich eine normale Physiotherapie nicht leisten können. 35 Euro für sechs Behandlungen — das klingt für manchen vielleicht nicht nach viel. Aber für jemanden, der mit 800 Euro Rente auskommen muss, ist das eine Entscheidung zwischen Medizin und Essen.

Die Sprechstunden sind gut besucht. Jeder wird hier behandelt. Deshalb sucht das Team jetzt Verstärkung.

Wenn der Staat wegschaut, rückt die Naturheilkunde nach

Was hier passiert, ist im Kern nichts anderes als eine Notlösung. Eine Stadt, die es nicht schafft, ihre armen Einwohner mit einer funktionierenden sozialen Infrastruktur zu versorgen, bekommt von der Caritas oder von engagierten Bürgern ein Angebot, das die Lücke stopft. Und dann wird das auch noch als „Herzensangelegenheit“ verkauft und in der Zeitung positiv erwähnt.

Das Stadtteilbüro in Lankow ist Montagnachmittags ein Ort, an dem Menschen ohne Krankenversicherung oder mit zu kleinem Geldbeutel hingehen können, weil woanders keiner mehr hinschaut. Und wenn die Therapeutinnen nicht wären, würde da einfach niemand hinschauen. Die Stadt jedenfalls nicht.

Das Team sucht jetzt Verstärkung. Weitere Therapeutinnen und Therapeuten, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Schön. Herzergreifend. Gleichzeitig sucht die Stadtverwaltung händeringend nach Investoren für den neuen Bau-Turbo, die bitte keine Sozialwohnungen bauen müssen. Man fragt sich, ob das eine Stadt ist, die es nicht besser kann — oder ob sie es einfach nicht will.

Foto: NDR / Schwerin

Quellen: NDR MV

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