Politik

Schwerin hat einen Wärmeplan — Beschluss aber erst 2026. Ergebnis irgendwann 2045

Die Landeshauptstadt Schwerin hat in dieser Woche ihre kommunale Wärmeplanung präsentiert. Das Ergebnis: Man hat einen Plan. Einen guten, wie es heißt. Das Vorzugsszenario sieht vor, dass bis 2045 etwa 80 Prozent der Haushalte per Fernwärme versorgt werden sollen. Aktuell sind es 63 Prozent. Bedeutet: In den nächsten 19 Jahren sollen 17 Prozentpunkte dazukommen. Das ist ungefähr ein Prozentpunkt pro Jahr. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen.

Die Planungsbüros Elbing & Volgmann GmbH und Theta Concepts haben das Ganze erarbeitet. Im Rahmen einer Bürgerversammlung Ende April — äh, Entschuldigung: Anfang April — stellte die Stadt das Ergebnis vor. Drei Wochen später ist es immer noch einigermaßen frisch. Das Fernwärmenetz soll am Pfaffenteich erweitert werden, damit der Dom und die Alte Post angeschlossen werden können. Der Dom! Die Alte Post! Beides Gebäude, die das Stadtbild seit deutlich länger als 19 Jahren prägen und bislang offenbar ohne kommunale Wärmeplanung ausgekommen sind.

Die Umsetzung? In Fünf-Jahres-Etappen. Heißt: 2026 ist frühestens Schluss

Der Wärmeplan wird nun politisch beraten und soll voraussichtlich im Juni 2026 beschlossen werden. Heißt konkret: Die Beratungen beginnen gerade erst. Ein Jahr, um ein Papier zu beschließen, das seit April vorliegt. Und dann geht’s ans Umsetzen. Stadtwerke-Geschäftsführer Hanno Nispel sprach von einer der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Der Mann hat recht. Man kann nur hoffen, dass er das entsprechend gut bezahlt bekommt.

„Wir freuen uns sehr, dass die Bürgerinnen und Bürger so frühzeitig informiert werden. Eine kommunale Wärmeplanung braucht ihre Zeit — und wir bitten um Verständnis, dass die konkreten Anschlüsse erst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten umgesetzt werden können.“

— Sinngemäßes Zitat eines Schweriner Verwaltungsmitarbeiters, das wahrscheinlich so oder so ähnlich bei der Bürgerversammlung gefallen ist

Rund 20 Prozent der Haushalte werden sich laut Plan nicht über das Fernwärmenetz versorgen lassen. Für die gibt es dann Alternativen: Wärmepumpen, Biomasseheizungen, Solarthermie, Erdwärme. Für 20 Prozent der Haushalte — macht etwa 19.200 Wohnungen — ist also Eigeninitiative gefragt. In einer Stadt, in der das Durchschnittsalter steigt und die Abwanderung jüngerer Menschen ein bekanntes Problem darstellt, eine spannende Aufgabe für Hausbesitzer und Vermieter.

Das Fernwärmenetz wächst also in Fünf-Jahres-Etappen. Von 63 auf 80 Prozent in 19 Jahren. Das ist kein Wärmeplan. Das ist ein Wärmegeduldstest. Andere Städte haben längst angefangen. Schwerin fängt jetzt an, darüber zu reden, wann man anfangen könnte, anzufangen. Die Klimaziele für 2045 erinnern fatal an andere Landeshauptstadt-Ziele in Schwerin. Die Frage ist nur, ob die Stadt dann noch genug Einwohner hat, die beheizt werden müssen.

Foto: SeppH / Pixabay

Quellen: Landeshauptstadt Schwerin, Schwerin-Lokal

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