Kultur

Schwerin gründet Verein um Konzerte zu organisieren – und die Toiletten aufzumachen

Die Stadt Schwerin hat einen Verein gegründet. Um Konzerte zu organisieren. Auf dem Marktplatz. 22 Konzerte pro Sommer. Und das Erstaunliche daran: Die Stadt hat das nicht selbst gemacht. Sondern einen Verein gebeten, es zu tun. Die Stadt Schwerin, die lieber einen Verein bitten würde, ihre eigene Veranstaltung zu organisieren, als es einfach selbst zu tun. Das sagt viel über den Laden.

Der Verein „Schwerin mittendrin“ hat jetzt die Organisation der Musikklub-Konzerte übernommen. 22 Konzerte in diesem Sommer. Jeden Dienstag, manchmal auch montags. Bis zu 800 Besucher pro Konzert. Die Bands spielen vor dem Säulengebäude. Die Bigband der Polizei. Die Inklusionsband „Kaktus“. Coverbands. Und die Stadt? Die schaut zu und sagt: „Schön, dass ihr das macht.“

Die Musikschule Ataraxia hat sich auf ihren Unterricht konzentriert

Früher hat die Musikschule Ataraxia die Veranstaltungsreihe unterstützt. Jetzt konzentriert sie sich auf ihr Kerngeschäft – den Unterricht. Verständlich. Unterricht ist anstrengend genug, da muss man nicht auch noch Konzerte organisieren. Also hat die Stadt kurzerhand einen Verein gegründet. Oder der Verein hat sich gegründet, auf Bitte der Stadt. Wer auch immer wen zuerst angerufen hat: Das Ergebnis ist, dass Schwerin jetzt einen Verein hat, der Konzerte organisiert, weil die Stadt es nicht selbst kann. Oder will. Oder beides. So wie das neue Indie-Café in der Innenstadt, das irgendjemand aufgemacht hat, während die Stadtverwaltung über Konzepte diskutiert.

Das Konzept sehe unter anderem vor, dass für die Konzerte Mülltonnen aufgestellt werden. Außerdem müssten die öffentlichen Toiletten während der Auftritte geöffnet sein. Das ist jetzt wirklich ein Konzept. Mülltonnen und offene Toiletten. Schwerin. Aufwach.

Dazu kommt: NDR MV präsentiert die Konzerte. Nicht die Stadt. Nicht das Kulturamt. Der NDR. Der öffentlich-rechtliche Sender präsentiert Konzerte, weil die Stadt ihm wahrscheinlich den Schlüssel für die Toiletten gegeben hat. Und irgendjemand muss sich um die Mülltonnen kümmern. Das ist jetzt Sache des Vereins. Der „Schwerin mittendrin“-Verein. Der wahrscheinlich aus drei Leuten besteht, die jeden Dienstag unfreiwillig zu einer Veranstaltungsagentur werden.

Das alles klingt jetzt negativ, aber hey – es funktioniert ja. Die Konzerte finden statt. 800 Besucher pro Dienstag. Musik auf dem Marktplatz. Und Schwerin toppt im Konzertsommer so manche Großstadt. Zurecht vielleicht. Nur sollte man sich fragen, warum eine Stadt es nicht schafft, 22 Konzerte im Sommer selbst zu organisieren. Und stattdessen Freiwillige dafür verantwortlich macht. Mit Mülltonnen-Konzept. Das Seehotel Frankenhorst macht Flohmarkt und die Stadt guckt zu. Irgendwie ist das das Schweriner Modell.

Foto: Unsplash (Symbolbild)

Quellen: NDR MV

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