Was als spontane Kellerentleerung während des Lockdowns begann, hat sich in Schwerin zu einem „Festival“ gemausert. Das Hofflohmarkt-Festival findet 2026 zum wiederholten Male statt, diesmal mit über 100 teilnehmenden Hinterhöfen in verschiedenen Stadtteilen. Los geht es am 30. Mai in der Feldstadt. Anmeldeschluss für diesen Termin ist der 19. April. Am 29. August folgt die Schelfstadt. Ein Ereignis, das – wenn man ehrlich ist – dreimal berichtenswert war und beim vierten Mal eher die Verlegenheit der Stadt zeigt als ihre Stärke.
Laut Nordkurier kam die Idee von Initiatorin Mariana Born, die selbst in der Schelfstadt lebt. Eigentlich wollte sie nur ihren überfüllten Keller ausmisten. Kurzerhand organisierte sie einen Flohmarkt im eigenen Hinterhof. Aus 20 Höfen wurden im ersten Jahr über 100. Und daraus wurde jetzt ein Festival, das inzwischen in der Innenstadt stattfindet und nebenbei noch Spenden für lokale Vereine sammelt – etwa das Kulturverein „Kombinat 63″.
Ein Flohmarkt als kulturelles Highlight: Willkommen in der Landeshauptstadt
Man muss der Veranstaltung zugutehalten: Sie ist sympathisch, nachbarschaftlich und kommt ohne staatliche Fördermilliarden aus. Das ist in Schwerin schon mal was. Gleichzeitig zeigt die Art, wie Schwerin über das Hofflohmarkt-Festival spricht, beispielhaft, wie tief der Anspruch an das eigene kulturelle Leben gesunken ist. Eine Initiative von unten, ein Flohmarkt, ein paar Hinterhöfe – und die Stadt feiert das als Festival-Highlight. Als gäbe es nichts Größeres. Als wäre das Niveau für kulturelle Ereignisse in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich dort angekommen, wo man einen Flohmarkt als Beleg für Vitalität nimmt.
„Schwerin hat in den letzten Jahren so eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man eine Stadt mit Potenzial systematisch verwaltet, dass für kulturelle Großtaten einfach keine Kapazitäten mehr übrig sind.“
fiktive Betrachtung aus der Landeshauptstadt
Dass die Initiatorin mit einfachsten Mitteln etwas auf die Beine gestellt hat, das Menschen zusammenbringt – das ist tatsächlich bemerkenswert. Und dass去年 der Kulturverein „Kombinat 63″ unterstützt wurde, zeigt, dass das Geld tatsächlich dort ankommt, wo es gebraucht wird. Nur: Für Schwerin als Ganzes ist es ein Armutszeugnis, wenn der Hofflohmarkt das kulturelle Datum ist, auf das man im Frühsommer stolz verweist. Andere Städte haben Opernpremieren, Festivals mit internationalen Acts, Filmwochen. Schwerin hat einen Flohmarkt im Hinterhof und ruft dazu auf, sich bis zum 19. April anzumelden.
Mehr als 100 Höfe, null städtische Subvention, null Ambition
Ja, die Anmeldung läuft unkompliziert per PayPal. Ja, es gibt Stände auf dem Karl-Liebknecht-Platz und Trubel auf der Wiese am Bleicherufer. Das ist alles schön und gut. Nur: Es ist kein Ersatz für eine Stadt, die neben den Hofflohmärkten auch noch andere Gründe vorzuweisen hat, warum man dort hinziehen oder dort bleiben sollte. Wenn das größte kulturelleArgument für Schwerin ein Flohmarkt ist, dann muss man über die Stadtverwaltung reden – und zwar nicht bei der nächsten Hofflohmarkt-Nachbesprechung.
Dem Kulturverein „Kombinat 63″ sei gegönnt, was er kriegen kann. Das Format ist gut, die Organisation solide, die Idee ehrlich. Nur sollte man von einer Landeshauptstadt erwarten dürfen, dass ein Flohmarkt im Hinterhof nicht auch noch als kulturelles Leuchtturmprojekt durchgehen muss.
Foto: Theodor Tietze auf Unsplash
Quellen: Nordkurier
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