Kultur

Schwerin bekommt ein Museum — aber das wars dann auch mit den guten Nachrichten

Die Landeshauptstadt Schwerin bekommt ein neues Stadtgeschichtsmuseum. Mit Welterbe-Informationszentrum. Am Schlachtermarkt. 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Fertigstellung geplant für 2029. Das klingt erstmal gut, oder? Ein Museum. Zentrale Lage. Bundes- und Landesförderung. Sogar Manuela Schwesig war da und hat unterschrieben.

Das ist aber auch das einzige, was man über dieses Projekt sagen kann, ohne in peinliches Stillschweigen zu verfallen. Denn der Bau soll also 2029 fertig werden. Heißt: mindestens drei Jahre Planung, Bauzeit unbekannt. Und das, obwohl ein Architekturwettbewerb bereits im Sommer 2025 entschieden wurde. 2025. Heute ist April 2026. Das sind keine drei Jahre mehr bis 2029. Das sind noch keine drei Jahre. Und das Projekt ist noch nicht mal angefangen zu bauen.

Was Schwerin alles NICHT hinkriegt — in einem Absatz

121 Architekturbüros haben sich am Wettbewerb beteiligt. Jan Wiese aus Berlin hat gewonnen. Ein Büro aus Berlin. Klar, für ein Landeshauptstadt-Projekt muss das Siegerbüro nicht aus Schwerin kommen. Oder aus MV. Oder auch nur aus dem Umkreis. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die gesamte regionale Architekturszene von 121 Bewerbern offenbar nicht das Niveau hatte, das nötig war. Oder sich nicht beteiligt hat. Muss man jetzt nicht weiter kommentieren. Muss man aber auch nicht überrascht sein.

„Schwerin bekommt ein Stadtgeschichtsmuseum — ein wichtiger Schritt für unsere Stadt.“

— Bernd Nottebaum (CDU), Interims-Oberbürgermeister, bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung

Dass das Museum zu einem erheblichen Teil durch Bundes- und Landesmittel finanziert wird, versteht sich in Schwerin fast von selbst. Landeshauptstadt ohne Land. Das ist das Geschäftsmodell. Ohne Schwesig und die Städtebauförderung würde hier gar nichts großes gebaut werden. Wärmeplanung? Braucht der Bund. Wärmeplanung? Braucht das Land. Ein Museum? Braucht beides. Schwerin selber? Hat keine 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche in Eigenregie zusammengebracht bekommen. In Jahrzehnten.

Dafür gibt es dann eine Absichtserklärung. Mit Unterschrift. Von der Ministerpräsidentin persönlich. Das muss man sich erstmal gönnen. Und 2029 ist dann ja auch noch hin. Bis dahin kann man ja noch drei-, viermal die Bauzeit verschieben, Fördertöpfe umschichten und weitere Absichtserklärungen unterschreiben. Das passt schon. Wird schon.

Foto: Eero Happonen / Wikimedia

Quellen: tagesschau.de

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