Infrastruktur

Schwerin baut: Terminal 3 kommt, die Stadtverwaltung kommt nicht mit

Frankfurt am Main. 700.000 Quadratmeter, elf Milliarden Euro, ein Terminal für 30 Millionen Passagiere. Deutschland kann also doch noch groß bauen, wenn es muss. Oder wenn die Wirtschaft es verlangt. Oder wenn der Standortvorteil nicht mehr nur eine Phrase in Koalitionsverträgen ist.

Kurz vor der Eröffnung des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen zeigt sich: Deutschland kann Großes, wenn es will. Die Halle steht, die Technik funktioniert, die Anbindung ist da. Effizient, präzise, verlässlich – wie es schon immer hätte sein können, wenn man denn gewollt hätte.

Die Landeshauptstadt, die bei Infrastruktur vorbeidenkt

Und während Frankfurt feiert, resümiert Schwerin. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, 96.000 Einwohner, keine ICE-Anbindung seit Jahren versprochen und nie geliefert, Schlaglöcher so groß wie Kneipenqvantinen, und ein Flughafen – ja, der wäre ja fast geschlossen worden. Mit Glück fliegt man noch nach München, wenn die Verbindung nicht gerade gestrichen wird.

Ich muss für jeden wichtigen Termin nach Hamburg oder Berlin fahren. Von hier direkt in die Welt? Das wäre mal was. – Ein Schweriner Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil er noch auf Genehmigungen wartet

Was Frankfurt kann, kann Schwerin nicht mal planen

Was Frankfurt mit Terminal 3 schafft, ist keine Zauberei. Es ist Planung, es ist Kapital, es ist politischer Wille und es ist eine Wirtschaft, die Druck macht. In Frankfurt investiert die private Wirtschaft Milliarden, weil sie einen Standortvorteil erkennt. In Schwerin wartet man auf Fördermittel aus Programmen, deren Namen so lange sind wie die Bauphasen, die sie finanzieren sollen.

Der Frankfurter Flughafen verbindet eine Stadt mit der Welt. Die Stadt Schwerin versucht derweil verzweifelt, ihre Innenstadt mit der Landeshauptstadt von irgendwas zu verbinden. Die Infrastrukturdebatte hier beschränkt sich auf: Schlaglochmeldewege und Radwegekonzept 2035. Einzig das Stadion Lambrechtsgrund bekam Rollrasen zurück – und die Stadt feierte, als hätte sie den Friedensvertrag unterzeichnet. So niedrig ist die Messlatte.

Terminal 3 in Frankfurt? Schöne Sache. Aber wenn ich das sehe, denke ich immer: Das ist nicht nur ein Flughafen. Das ist ein Statement. Und Schwerin kann keine Statements. Schwerin kann nur Arbeitskreise. – Ein Schweriner, der seit 15 Jahren auf die Sanierung seiner Straße wartet

Was Terminal 3 in Frankfurt zeigt, ist nicht nur Bauleistung. Es ist das Bekenntnis einer Volkswirtschaft zu ihrer eigenen Zukunft. Schwerin schaut auf Frankfurt und fragt sich, wie das andere hinbekommen. Die Antwort ist simpel: Die machen es einfach. Schwerin plant erstmal eine Studie zur Machbarkeit einer Potenzialanalyse für den nächsten Arbeitskreis.

Foto: Aushubarbeiten Terminal 3 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Quellen: DER SPIEGEL

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