Gesellschaft

Schüler in MV nutzen KI heimlich — Schule bereitet sie auf die Zukunft vor, indem sie so tut, als gäbe es sie nicht

56 Prozent der Schüler in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich nicht auf Künstliche Intelligenz vorbereitet. Gleichzeitig nutzen 80 Prozent von ihnen KI-Tools im Schulalltag. Klingt nach einem Widerspruch? Willkommen im deutschen Bildungssystem — wo man Dinge benutzt, die man nicht versteht, und Dinge lehrt, die keiner mehr braucht.

KI nutzen: ja. KI verstehen: nein danke.

Der Landesschülerrat hat Ende 2025 rund 1.200 Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse befragt. Das Ergebnis ist eine Art Zustandsbericht des digitalen Deutschlands im Miniformat: Vier von fünf Jugendlichen nutzen ChatGPT und Co. für schulische Aufgaben. Aber mehr als die Hälfte sagt, die Schule bereite sie darauf „kaum oder gar nicht“ vor.

Besonders pikant: Viele nutzen KI heimlich, weil sie Nachteile bei der Bewertung befürchten. Man stelle sich das vor — Schüler trauen sich nicht, ein Werkzeug zu benutzen, das ihre Lehrer selbst nicht verstehen. Der letzte große Generationskonflikt dieser Art betraf vermutlich den Taschenrechner. Und ja, den hat man dann auch irgendwann im Unterricht erlaubt.

„KI darf nicht nur ein Randthema sein, sondern muss als Querschnittskompetenz in allen Fächern berücksichtigt werden.“

Fordert der Landesschülerrat. Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) verweist darauf, dass das Land „bereits Maßnahmen ergriffen“ habe. Fortbildungen für Lehrer, eine Handreichung, KI zur individuellen Förderung. Klingt ungefähr so überzeugend wie WLAN in der Schule — existiert auf dem Papier, bricht nach fünf Minuten zusammen.

Handreichung gegen die Zukunft

Der Schülerrat bewertet die bisherigen Angebote als „unzureichend“ und fordert einen „grundlegenden Kurswechsel“. In einem Bundesland, das gerade erst die Digitalisierung seiner Mülltonnen als Durchbruch feiert, ist ein Kurswechsel bei der Bildung natürlich ein kühner Wunsch.

Die Hälfte der befragten Schüler äußerte zudem Bedenken beim Datenschutz. Was zeigt: Die Kids sind nicht nur digital kompetenter als ihre Lehrer — sie machen sich auch mehr Sorgen. In einem Land, das seine Verwaltung per Fax betreibt und 85 Millionen Euro für ein Gebäude voller alter Akten ausgibt, ist das vielleicht auch angemessen.

Fazit: Die Schüler nutzen KI. Die Lehrer kriegen Handreichungen. Die Ministerin sagt, es werde schon was getan. Und in fünf Jahren wundern sich alle, warum die Fachkräfte von morgen lieber nach Hamburg abwandern. Schwerin halt.

Quellen: Schwerin Lokal

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