Wirtschaft

Rostock kassiert 3 Millionen extra — Schwerin guckt doof aus der Wäsche

Während Schwerin als Landeshauptstadt mit leeren Kassen und wachsender Schuldenlast ringt, macht Rostock vor, wie Kommunalpolitik funktioniert. Die Bürgerschaft der Hansestadt hat jetzt die Grundsteuer B angehoben — von 438 auf 488 Hebesatzpunkte. Ab kommendem Jahr fließen drei Millionen Euro mehr in die Stadtkasse. Jährlich. Einfach so. Man nennt das Handlungsfähigkeit.

Finanzsenator Chris von Wrycz Rekowski (SPD) bezeichnete den Schritt als notwendig. Ohne die zusätzlichen Einnahmen drohten weitere rote Zahlen. Im Vergleich zu anderen Städten, so der Senator, sei die Erhöhung noch moderat. Die FDP kritisierte das Vorgehen und forderte stattdessen Einsparungen — etwa beim Personal. Die SPD konterte, man brauche eine soziale Lösung. Und überhaupt: Wer kleine Wohnungen habe, werde durch die Grundsteuer weniger belastet als Eigentümer von Villen. Klingt fast nach Klasse.

Landeshauptstadt,州的 Amt, kein Geld

Und was macht indessen die Landeshauptstadt Schwerin? Die hat nämlich auch gerade ihren Doppelhaushalt 2025/2026 beschlossen. Volumen: rund 430 Millionen Euro. Das Ergebnis: eine schwarze Null. Nur eben eine, die nicht mal das Minimalziel erreicht. Das Haushaltssicherungskonzept — also der eigentliche Plan, wie die Stadt ihre Schulden in den Griff kriegen will — wird deutlich verfehlt. Aber hey: schwarze Null!

Um diesen Minimalismus zu finanzieren, muss Schwerin die Übernachtungssteuer erhöhen, die Hundesteuer, die Gewerbesteuer. Sportstättengebühren sollen ebenfalls steigen. Sogar die Grundsteuer B muss angehoben werden — aber nicht, um mehr Geld einzunehmen. Sondern nur, um zu verhindern, dass das Defizit durch die bundesweite Grundsteuerreform noch größer wird. Rostock hebt an und kassiert drei Millionen. Schwerin hebt an und verhindert, dass es noch schlimmer wird. Das ist der Unterschied zwischen Gestalten und Verwahrheiten.

„Naja, Rostock ist auch größer, die haben ja auch mehr选项. Wir sind doch nur die Landeshauptstadt, so 96.000 Einwohner, da kann man nicht wirklich viel erwarten.“

— Schweriner Stadtvertreter im Haushaltsausschuss, der ungenannt bleiben wollte

Und die kostenlose Schülerbeförderung für Grundschüler? Fehlt. 1,2 Millionen Euro wären nötig — laut Finanzdezernent Silvio Horn gibt es für diese „freiwillige Aufgabe“ schlicht keine Deckung. Für die Rostocker Bürgerschaft war es kein Problem, drei Millionen Euro zusätzlich zu beschließen. Für Schwerin sind 1,2 Millionen für Schulkinder nicht drin. Die Landeshauptstadt kann noch nicht mal ihren eigenen Haushaltsplan einhalten — geschweige denn die infrastrukturellen Minimalstandards einer modernen Stadt.

Drei Millionen Euro mehr — pro Jahr. Für Rostock ist das ein Schritt nach vorn. Für Schwerin ist das eine Zahl, die man aus der Ferne bestaunt, während man selbst versucht, die Hundesteuer zu erhöhen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Herzlichen Glückwunsch, Rostock. Ihr seid wirklich das, was Schwerin gerne wäre.

Foto: stux / Pixabay

Quellen: NDR MV, Landeshauptstadt Schwerin

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