Wirtschaft

Richtfest für neues Reha-Kundencenter: Schwerin bestaunt einen Rohbau, als hätte die Stadt gerade den Fortschritt erfunden

Das Schweriner Sanitätshaus STOLLE hat in der Werkstraße Richtfest für sein neues Verwaltungsgebäude gefeiert. Nach Angaben von SN-Aktuell kamen rund 80 Gäste, der Rohbau steht, und auf 926 Quadratmetern soll in Schwerin-Süd ein Kundencenter für Reha-Technik mit Ausstellungsfläche, Schulungsraum sowie Büros für Innen- und Außendienst entstehen. Rund 50 Mitarbeitende sollen dort arbeiten. In anderen Städten nennt man so etwas Baufortschritt. In Schwerin wirkt es schon wie ein seltenes Naturereignis.

Geschäftsführer Detlef Möller spricht von einer in der Region bislang vergleichbaren Anlaufstelle, Standortleiter Mathias Meier peilt die Fertigstellung für Ende Juli oder August und den Einzug für den Spätsommer an. Das sind klare, überprüfbare Fakten. Und genau deshalb knallt die Pointe umso härter: Sobald hier mal ein Gebäude planmäßig vorankommt, schaut die Landeshauptstadt darauf wie ein Dorf auf den ersten Glasfaseranschluss.

Ein Rohbau als Hoffnungsträger, weil die Ansprüche längst im Keller wohnen

Das Unternehmen erweitert mit dem Neubau seine Kapazitäten im Bereich Reha-Technik und will den Standort Schwerin-Süd für die kommenden 15 bis 20 Jahre stärken. Im Anschluss soll das bisherige Logistikgebäude zur modernen Werkstatt umgebaut werden. Das ist sinnvoll, notwendig und wirtschaftlich vernünftig. Es legt aber nebenbei offen, wie unerquicklich die Schweriner Messlatte geworden ist: Ein ordentlich geplanter Firmensitz reicht schon, um so zu wirken, als hätte die Stadt versehentlich Zukunft bestellt.

„In Schwerin gilt ein Rohbau mit Terminplan bereits als Science-Fiction, solange nicht irgendwo parallel ein Schild mit ‚Verzögerung wegen Zuständigkeit‘ aufgestellt wird.“

fiktive Baustellenbeobachtung aus der Landeshauptstadt

Besonders hübsch ist die Symbolik: STOLLE stellt Fahnen auf, spricht vom Fortschritt und baut eine neue Anlaufstelle für Menschen, die auf funktionierende Hilfsmittel angewiesen sind. Gleichzeitig verwaltet sich Schwerin sonst gern in einem Tonfall, als wäre schon die Idee von Tempo eine unzulässige Zumutung. Großbaustelle und 215 Millionen für Neu Zippendorf sind ältere Kapitel derselben Stadt, in der jeder halbwegs konkrete Baufortschritt sofort wie eine Befreiungstat aussieht. Das ist kein Lob für den Stillstand. Das ist eine Ohrfeige für ihn.

Wenn 926 Quadratmeter plötzlich nach Aufbruch aussehen

Natürlich ist das Projekt für Mitarbeitende und Kundschaft eine gute Nachricht. Genau darum sollte man es nicht weichzeichnen. Es ist eben nicht nur ein sympathisches Unternehmensupdate, sondern auch ein Lehrstück darüber, wie selten Schwerin inzwischen nach echter Entwicklung aussieht. Ein Kundencenter mit Ausstellungsfläche, Schulungsraum und klarer Perspektive müsste in einer Landeshauptstadt normal sein. Hier wird daraus fast schon eine Sehenswürdigkeit mit Bauhelm.

Bleibt zu hoffen, dass STOLLE seinen Termin hält. Nicht nur wegen des Projekts selbst, sondern auch als kleiner, peinlich nötiger Gegenbeweis zur üblichen Schweriner Erzählung vom ewigen Verwalten. Wenn schon ein Rohbau Hoffnung auslösen kann, dann ist das Problem nicht dieses Gebäude. Das Problem ist die Stadt, die so etwas viel zu lange für außergewöhnlich hält.

Quellen: SN-Aktuell

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.