Politik

Politik trifft Automatenwirtschaft im Schloss: Wenn Lobbyismus so offen kommt, dass er nicht einmal verbergen muss

Im Schweriner Schloss, diesem Symbol der Macht in der Landeshauptstadt von MV, fand ein „Dialog“ statt. Politik traf auf Automatenwirtschaft. Man könnte auch sagen: Landespolitik traf auf eine Branche, deren größtes Problem ist, dass sie zu wenig Slots für Glücksspielautomaten aufstellen darf. Und Schwerin hat sich hingesetzt und zugehört. Als wäre das eine gleichberechtigte Partnerschaft.

Das Schloss als Bühnenbild der Hilflosigkeit

Das Schweriner Schloss ist nicht irgendein Gebäude. Es ist der Sitz des Landtages, das Zentrum der Landespolitik von MV. Wenn dort ein Minister mit einer Branche „im Dialog“ steht, dann ist das eine Botschaft: Diese Branche ist wichtig genug, dass wir uns im Schloss treffen.

„Dialog im Schweriner Schloss: Politik trifft Automatenwirtschaft“ – so die offizielle Formulierung. Klingt nach Transparenz. Klingt nach Austausch auf Augenhöhe. Klingt danach, als würde hier jemand wirklich zuhören.

Und was genau will die Automatenwirtschaft? Mehr Spielhallen. Mehr Automaten. Mehr Umsatz. Und das in einem Land, das bereits eine der höchsten Glücksspielaffinitäten in Deutschland hat. Menschen in MV verlieren jedes Jahr Millionen an Automaten. Sucht ist ein Problem. Aber hey, der Dialog fand im Schloss statt, also muss er wichtig sein.

Symbolpolitik oder Korruption? Der Unterschied ist maximal die Wortwahl

Man könnte das als Lobbyismus abtun. Passiert überall, wird überall gemacht. Aber die offene Art, wie das hier passiert, ist schon bemerkenswert: Ein Land, das nicht mal die Infrastruktur für vernünftige Mobilität hinbekommt, setzt sich mit einer Glücksspielbranche zusammen und nennt das „Dialog“. Das erinnert an die E-Auto-Infrastruktur von MV: Man hat die Ladestationen, aber keine Autos. Man hat das Schloss, aber keinen echten Plan. Nur Symbolik.

Oder an die Sprachtalente-Ehrung ohne Landespreis: Man feiert das Vorhandene, nicht das Fehlende. Nur dass es diesmal nicht um Bildung ging, sondern um Glücksspiel. Und das im Zentrum der Landespolitik.

Wenn Schwerin demnächst eine Strategie gegen Spielsucht vorlegt, werden wir an diesen Tag erinnern. An den Tag, an dem das Schloss für die Automatenwirtschaft geöffnet wurde – und an dem kein einziger Vertreter der Präventionsseite eingeladen war.

Foto: Todor Andonov / Unsplash

Quellen: games & business

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