Schwerin. 23. Oktober 1989. Der Alte Garten. 40.000 Menschen. Und eine SED-Bezirksleitung, die nicht versteht, dass ihre Macht vorbei ist. Die Geschichte ist erzählt, aber was sie über diese Stadt verrät, wird selten ausgesprochen.
Eine Stadt, die sich fürchtete — und dann nicht mehr
„Die überwältigende Mehrheit der 40.000 Demonstranten ließ sich nicht beirren, drehte dem Ersten Sekretär wörtlich den Rücken zu.“
Heinz Ziegner, Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung, hatte einen Plan: Die Demonstration des Neuen Forums kurzerhand zur eigenen „Dialogveranstaltung“ umfunktionieren. Tausende linientreue Genossen als Claqueure herankarren. Lautsprecherwagen auffahren. Künstlichen Applaus vom Band einspielen. Den Bürgerrechtlern das Rederecht verweigern. Und dann die Menge mit moralischer Überlegenheit zur Räson bringen.
Was dann geschah, war keine Heldengeschichte. Es war eine Stadt, die jahrzehntelang den Mund gehalten hatte und es plötzlich nicht mehr tat. 40.000 Menschen, die nicht mehr mitgingen. Die nicht mehr applaudierten. Die nicht mehr gehorchten. Einfach nur den Rücken drehten und gingen.
Das ist der Moment, auf den Schwerin stolz sein will. Aber dieser Moment sagt auch etwas anderes: Diese Stadt hatte bis dahin mitgemacht. Jedes Wort. Jede Lüge. Jeder transports of joy. Und am 23. Oktober 1989 haben 40.000 von ihnen beschlossen, dass es reicht. Was mit den anderen 50.000 war —无所谓. Die Frage bleibt: Wie wird aus einer Stadt, die jahrzehntelang den Mund gehalten hat, plötzlich eine, die auf die Straße geht?
Foto: Vitor Fontes / Unsplash
Quellen: schwerin.news
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