Politik

MV führt Sport auf Rezept ein – das armutsreichste Bundesland verschreibt Bewegung gegen seine eigene Misere

Schleswig-Holstein hat mehr Sonne. Brandenburg hat bessere Autobahnen. Und Mecklenburg-Vorpommern hat jetzt: Sport auf Rezept. Gesundheitsministerin Stefanie Drese hat heute in Schwerin stolz verkündet, was das Landeigentlich schon immer war: MV ist so faul, so krank, so hoffnungslos unsportlich, dass die eigene Landesregierung das als medizinisches Problem anerkennen muss.

Wenn das eigene Versagen zur Landesstrategie wird

Mehr als zehn Stunden sitzen Deutsche laut Kassenärzte-Umfragen täglich. Nur 30 Prozent schaffen es, das durch Bewegung wieder auszugleichen. 30 Prozent. In einem Land, in dem Bewegung angeblich so großgeschrieben wird. Und in MV? Da sieht es noch dürftiger aus. Die Zahlen für Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, muskuläre Beschwerden – alles überdurchschnittlich in MV. Man könnte fast meinen, das Land hat ein strukturelles Faulheitsproblem. Aber nein, es ist natürlich alles ganz anders. Es braucht nur ein Rezept. Für Bewegung. Von einem Arzt. Freiwillig. Nicht von der Kasse bezahlt.

„Das zeigt aus meiner Sicht deutlich, dass Bewegung wieder einen höheren Stellenwert einnehmen muss.“

Stefanie Drese (SPD), Gesundheitsministerin MV

Frau Drese, „aus meiner Sicht“? Das ist die Erkenntnis einer Gesundheitsministerin, die offenbar erst jetzt kapiert hat, was in ihrem Bundesland los ist. Nicht Strukturprobleme. Nicht Armut. Nicht die Tatsache, dass MV das fairste und gleichzeitig ärmste Bundesland ist. Nein, das Problem ist: Die Menschen sitzen zu viel. Löst ein Rezept für Sport bitte die Landflucht? Bringt es die kaputten Sporthallen zurück? Schafft es neue Radwege? Nein? Na dann, weiter so, Frau Ministerin.

Das Modellprojekt läuft in zwei Landkreisen. Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte. Zwei Regionen, die schon bei jeder anderen Statistik immer ganz unten standen. Dass man ausgerechnet dort jetzt testet, ob ärztliche Bewegungsempfehlungen etwas bringen können – wer hätte es gedacht. Die Menschen dort brauchen keine Rezepte. Die brauchen Arbeitsplätze, die nicht 40 Minuten Anfahrt kosten. Sie brauchen Infrastruktur, nicht Broschüren mit „Links zur Bewegungslandkarte“.

Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Quellen: Regierung MV

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