Schwerin. Die Bundeswehr hat eine neue Recruiting-Strategie entwickelt, und die ist so typisch für diese Stadt: Weil offenbar niemand freiwillig zur Armee will, muss man dahin gehen, wo die Menschen sind – nämlich zum Shoppen.
Die Bundeswehr mietet sich Räume im Staffelgeschoss der Marienplatz-Galerie. Nicht etwa, weil das Gebäude besonders repräsentativ wäre. Sondern weil es „günstig liegt“, wie der Center-Manager (der vermutlich noch nie von architektonischer Würde gehört hat) süffisant anmerkte.
Wir suchen helle, moderne und gut angebundene Flächen.
Klar. Was wäre da besser geeignet als ein Einkaufszentrum, das selbst an guten Tagen aussieht wie ein Paralleluniversum zu Schwerins Innenstadt? Wer dort seine Musterung absolviert, kann anschließend direkt bei Saturn einen neuen Fernseher kaufen. Oder bei H&M. Oder einfach gar nichts, denn die Auswahl dort ist auch nicht besser als das Angebot der Bundeswehr.
Provinzialität als Standortvorteil
Das Beste daran: Das Karrierecenter lag bisher in der Schlossgartenallee – also relativ zentral. Jetzt zieht man in ein Einkaufszentrum, das selbst Schweriner als Geheimtipp bezeichnen würden (weil sie es nicht anders kennen). Die Botschaft ist klar: Wir sind nicht mehr der arrogante Staat, wir sind jetzt wie ihr. Wir sind auch nur ein Centrum. Nur eben fürs Töten.
Immerhin: 930 Rekruten aus MV haben 2025 ihren Dienst angetreten. Das klingt erstmal viel. Ist es aber nicht. Denn wenn man bedenkt, dass davon ein erheblicher Teil aus Pasewalk oder Neustrelitz kommt und nach der Grundausbildung direkt wieder abreist, um in Berlin oder Hamburg einen vernünftigen Job zu kriegen – ja, dann relativiert sich das. Die Bundeswehr in Schwerin ist ein Transitlager mit Uniform.
Und die Landeshauptstadt? Freut sich, dass die Bundeswehr kommt. Nicht, weil man militärische Stärke will. Sondern weil man endlich jemanden hat, der das Staffelgeschoss der Marienplatz-Galerie sinnvoll nutzt. Mehr als ein Deko-Laden war da bisher auch nicht.
Foto: Volker Bohlmann / Christian Koepke (Nordkurier)
Quellen: Nordkurier
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