„Im Grunde kann jeder zuschauen, der einfach gute Laune hat.“ — Martin Neuhaus, Moderator, über die neue Sendung, deren Reichweite sich vermutlich auf Verwandte und den Pflegeheim-Radiostream beschränkt
Schwerin hat ein neues Fernsehformat. Man muss es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: MITTENDRIN — Stadt Land Talk. Ein Name, der klingt wie eine Bewerbungsmappe aus dem Medienkurs 2009. Aber was soll’s — die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hat entschieden: Wir machen jetzt auch Fernsehen. Eines, das die Menschen in Hamburg, Berlin oder München garantiert nie erreichen wird. Außer vielleicht über YouTube-Rippen, die keiner hochlädt.
Das Wohnzimmer, in dem Omas Hoffnung lebt
Gedreht wird im Schweriner Säulengebäude, das für die Sendung in eine lockere Kneipenatmosphäre verwandelt wird. Man stelle sich das vor: Zwei Moderatoren, David Kramer und Martin Neuhaus, sitzen in einer Kneipenatmosphäre, die ein Beamter der Stadtverwaltung als improvisiertes Wohnzimmer konzipiert hat. Dazu: Stadtduelle gegen Vereine, Live-Musik von Bands, die noch nie jemand gehört hat, und Spiele, deren Regeln selbst die Moderatoren nicht kennen.
„Es kann also gut sein, dass wir verlieren, das ist absolut möglich“, sagt Martin Neuhaus mit einem Lachen. Hoffentlich. Denn Siege vor 15 Zuschauern in Plau am See sind auch nicht wirklich publikumswirksam.
Die Zuschauerfrage: Wird überhaupt jemand einschalten?
Die Ausstrahlung erfolgt bei TV:SCHWERIN, MV1 und Wismar TV. Drei Sender, die zusammen vermutlich eine höhere Relevanz für die Landeshauptstadt haben als der letzte Instagram-Post des Oberbürgermeisters. Die Zielgruppe, laut Machern: jeder, der einfach gute Laune hat. Was optimistisch ist. Schwerin hat im Schnitt nicht den Ruf, eine Stadt der guten Laune zu sein — eher eine, die über schlechte Infrastruktur jammert und sich dann beschwert, dass niemand kommt.
Und weil Schwerin sich erfahrungsgemäß gerne an die eigene Vergangenheit klammert, statt nach vorne zu denken, passt das neue Format ins Stadtbild: Nostalgie verkauft sich besser als Zukunft. Das wussten schon die DDR-Gaststätten — und das weiß auch das neue Fernsehformat.
Handgemachte Musik. Echte Geschichten. Authentisches Lebensgefühl MV. Das klingt, als hätte jemand die Broschüre einer Volkshochschule verfilmt. Gut gemeint. Wie die Boulderhalle, die vor zu viel Bewegung warnt — nur eben für den Medienbereich statt für Sport.
Foto: Vladimir Srajber / Pexels
Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)
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