OB-Wahl 2026

Massimo de Matteis will Schwerin „moderner und offener“ machen, Stadt sucht vorsorglich schon mal das Passwort fürs Jahr 2026

Volt-Kandidat Massimo de Matteis hat im Interview mit Schwerin-Lokal erklärt, Schwerin müsse moderner und offener werden. Für eine Stadt, die digitale Verwaltung oft noch so behandelt, als sei sie ein gewagtes Start-up aus ferner Zukunft, ist das ungefähr so revolutionär wie fließend warmes Wasser, nur mit mehr Arbeitskreisen.

De Matteis lebt seit 2005 in der Landeshauptstadt und sagt, jetzt beginne eine Phase, in der über Schwerins Zukunft entschieden werde. Sein Rezept: eine klare Willkommenskultur für Unternehmen und Fachkräfte, verlässliche Ansprechpartner in der Verwaltung, mehr Digitalisierung und weniger Besitzfetisch bei städtischen Immobilien. Oder kurz: Schwerin soll endlich anfangen, sich wie eine Stadt zu benehmen und nicht wie ein Behördenerlebnispark mit Seezugang.

Willkommenskultur statt Wartezimmerkultur

Besonders auffällig ist, dass de Matteis nicht zuerst mit neuen Prestigeobjekten wedelt, sondern mit Struktur. Er will Fachkräfte nicht nur anlocken, sondern ihnen und ihren Familien das Ankommen erleichtern. In Schwerin ist das fast schon eine radikale Idee. Andere Städte bauen Welcome Center, hier freut man sich traditionell, wenn ein Antrag nur zwei Zuständigkeiten und einen handgeschriebenen Vermerk braucht.

„Modern und offen klingt gut. In Schwerin reicht ja schon offen zwischen 10 und 12 Uhr, dienstags mit Termin“, sagte ein Mann am Pfaffenteich so oder so ähnlich.

fiktiver Bürger

Auch wirtschaftlich bleibt de Matteis erstaunlich nüchtern. Den hohen Gewerbesteuersatz will er nicht sofort senken, aber wenigstens keine weiteren Erhöhungen draufpacken. Das ist in einer klammen Landeshauptstadt bereits eine Art romantischer Zukunftsentwurf. Mittel- bis langfristig soll mehr Ansiedlung helfen, die Last auf mehr Schultern zu verteilen. Anders gesagt: Erst Unternehmen holen, dann so tun, als wäre das von Anfang an der Plan gewesen.

Das Stadthaus kaufen? Lieber erstmal die Verwaltung finden

Am interessantesten wird es beim Stadthaus. De Matteis hält es für sinnvoller, flexibel zu bleiben, statt sich in Zeiten von Digitalisierung und Homeoffice langfristig zusätzliche Lasten ans Bein zu binden. Für Schwerin ist das heikel, weil die Stadt bei Gebäuden gern so spricht, als läge in jeder Immobilie automatisch ein Zukunftskonzept. Dabei wäre schon viel gewonnen, wenn die Verwaltung zuerst intern weniger wie ein Brettspiel aus Formularen, Fristen und Fluren funktionieren würde.

Außerdem spricht der Volt-Kandidat über Pop-up-Stores, neue Nutzungskonzepte gegen Leerstand, IT- und Gesundheitswirtschaft, mehr Dialog und eine Verwaltung, die nicht als natürlicher Feind des Bürgers auftritt. Es ist dieses freundliche, sachliche Programm, das in Schwerin fast subversiv wirkt. Wer hier mit Offenheit, Planbarkeit und echter Beteiligung kommt, beleidigt indirekt ein komplettes System, das seit Jahren davon lebt, Probleme erst zu prüfen, dann zu vertagen und anschließend in eine Broschüre zu drucken.

De Matteis hat keine eigene Hausmacht in der Stadtvertretung und verkauft genau das als Vorteil. Kann man machen. In Schwerin bedeutet das allerdings auch, dass man für jede halbwegs vernünftige Idee erst mit Leuten reden müsste, die schon an einfacheren Dingen wie Innenstadt, Baukoordination oder jungen Menschen gescheitert sind. Das ist kein Wahlprogramm, das ist betreutes Hoffen.

Wer sich einen Überblick über das komplette Bewerberfeld verschaffen will, kann sich durch unseren Überblick zur OB-Wahl 2026 klicken. Danach wirkt de Matteis immerhin wie jemand, der nicht sofort ein Parkhaus, eine Verbotszone oder eine neue Gesprächsrunde als Jahrhundertidee verkauft.

Ob Schwerin wirklich moderner und offener werden will, zeigt sich am Ende vermutlich daran, wie schnell die Stadt diesen Satz wieder in ein PDF sperrt.

Quellen: Schwerin-Lokal

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