Schwerin hat ein neues Cafe. In der Buschstrasse, in der die Touristen stehen und den Dom fotografieren. Beatrice Voigt hat es Multi Bloque genannt, nach dem beruehmtesten Plastikstuhl der Welt. Drinnen gibt es lila Kaffee, ein orangefarbenes Sofa und bunt angemalte Stapelstuehle. Draussen stehen noch mehr Plastikstuehle, die man sich schnappen und vor die Tuer setzen kann. Alle sind willkommen, sagt Beatrice. In Schwerin ist das eine Botschaft.
Einmal Ube Latte fuer 3,80 Euro, bitte
Ube Latte. Das Getraenk wird aus der lila Ube-Knolle selbst angesetzt, die aussieht wie eine lila Suesskartoffel. Der Milchkaffee kostet 3,80 Euro. Die herzhafte Brotzeit 5,90. Es gibt Pasta, Salate, Kuchen, Desserts und Sandwiches mit eigenen Aufstrichen. Beatrice macht frisches und gesundes Essen. Mir macht es Spass, sagt sie.
Multi Bloque heisst, dass alle willkommen sind. — Beatrice Voigt, Betreiberin
Was hier so charmant klingt, ist natuerlich auch eine Geschichte ueber Mecklenburg-Vorpommern: Beatrice hat mal eine Ausbildung zum Facharbeiter fuer Inneneinrichtung gemacht. In der DDR. Auf dem Dreesch. Wo die Leute morgens um 6 Uhr Schlange standen, um 11 Uhr oeffnete das Moebelhaus und alle hofften auf eine Schlaf-Couch aus dem Westen. Beatrice erinnert sich noch an die Schilder, die sie und ihre Lehrlinge an die Wartenden hielten: Knut ist nicht da! Elke ist nicht da! Damals lustig. Heute, in der Rueckschau, eher traurig.
Provinz-Aesthetik als Konzept
Nach der Wende jobbte Beatrice hier und da, auch in der Gastronomie. Vor 25 Jahren machte sie ihr erstes Cafe in der Friedrichstrasse auf. Ein Literaturcafe. Mit Lesungen und Konzerten. Die Huette war voll. Dann kamen eines Tages Jugendliche. Und dann immer mehr. Sie blieben. Beatrice gruendete einen Verein. Wollte was Sinnvolles mit ihnen machen. Heute sprechen sie sie auf der Strasse an und sagen: Du hast mir damals das Leben gerettet.
Jetzt also Multi Bloque. In der Buschstrasse. Lila Kaffee. Orangefarbenes Sofa. Plastikstuehle. Draussen die bunten. Drinnen die bunten. Draussen die graue Strasse, der Dom, die Touris, die Schweriner, die gucken. Und mittendrin Beatrice mit ihrer kleinen Gastro-Idylle, weit weg von der Welthauptstadt des Designs, aber immerhin mittendrin im Versuch, es sich hier drinnen halbwegs gemaechtlich zu machen. In einer Stadt, die sich gerade ueberlegt, ob sie 83 Millionen fuer eine Gartenschau ausgibt, waehrend ihre Feuerwehr noch gar nicht genug Wachen hat.
Schwerin ist halt doch ein bisschen besonders. Auf seine Art.
Foto: Voigt / Unsplash
Quellen: Nordkurier
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