OB-Wahl 2026

Lars Schubert trägt den Transrapid am Revers – Schwerin prüft, ob man ihn notfalls magnetisch ins Rathaus ziehen kann

Schwerin sucht am 12. April einen neuen Oberbürgermeister. Andere Kandidaten bringen dafür Plakate, Bürgernähe oder wenigstens ein paar halbwegs aktuelle Verwaltungserfahrungen mit. Lars Schubert bringt etwas anderes mit: eine Transrapid-Anstecknadel am Revers. Laut Nordkurier trägt der 56-jährige Einzelkandidat das Symbol der nie gebauten Magnetschwebebahn Berlin-Hamburg wie andere Leute eine Deutschlandflagge – nur, wie er selbst findet, eben eine intelligentere.

Das ist in der Landeshauptstadt natürlich eine Steilvorlage. Schwerin wartet seit Jahrzehnten auf vieles: mehr Einwohner, weniger Stillstand, eine funktionierende politische Kultur und gelegentlich sogar auf einen Zug, der nicht klingt, als müsse er unterwegs noch Kohlen nachlegen. Und nun steht da ein OB-Kandidat, der symbolisch schon mal die Verkehrstechnologie des Jahres 2035 ans Revers gepinnt hat, obwohl die Stadt weiterhin damit beschäftigt ist, sich selbst bei Regionalexpress-Geschwindigkeit nicht komplett zu verlieren.

Höchsttechnologie trifft auf Schweriner Betriebstemperatur

Schubert, der von der FDP unterstützt wird und bereits 2002 in Schwerin kandidierte, erzählt im Porträt von seinem Faible für Innovation, Wirtschaft und Technik. Der Transrapid steht für ihn offenbar für ein Deutschland, das noch an Erfindungen glaubt. In Schwerin dürfte diese Erzählung vor allem deshalb Eindruck machen, weil hier schon eine pünktliche Ampelschaltung als visionäre Infrastrukturmaßnahme gelten könnte. Wenn jemand in dieser Stadt ernsthaft mit Magnetschwebebahn-Symbolik aufläuft, wirkt das nicht wie Wahlkampf, sondern wie ein Stresstest für die lokale Realität.

„Wenn einer mit dem Transrapid-Pin Oberbürgermeister werden will, ist das immerhin konsequent. In Schwerin redet seit Jahren jeder von Aufbruch, aber die meisten meinen damit bloß eine neue Pressemitteilung.“

so oder so ähnlich ein Rentner am Pfaffenteich

Besonders schön wird die Geschichte dadurch, dass Schubert laut Nordkurier nicht nur als „Mister Transrapid“ firmiert, sondern in der DDR auch Meerschweinchen gezüchtet und verkauft haben soll. Das ist biografisch derart präzise absurd, dass man es sich als Satiriker nicht besser ausdenken könnte. Vom Nagerhandel zur Magnetschwebebahn, von dort weiter ins Rathaus – Schwerin bekommt im Endspurt dieses Wahlkampfs also nicht einfach einen Kandidaten, sondern einen Lebenslauf, der klingt, als hätte ihn eine sehr ambitionierte Kreisvolkshochschule zusammengestellt.

Politisch ist Schubert damit weiter der Mann für die bürgerliche Kehrtwende, den wirtschaftlichen Neuanfang und den festen Glauben daran, dass Vernunft irgendwann doch noch ein Wahlkampfthema werden könnte. Dass derselbe Kandidat bereits mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die Landeshauptstadt auffiel, macht das Gesamtbild nur runder: erst Karlsruhe, jetzt Transrapid, bald vielleicht Weltformel. Schwerin hat selten einen Kandidaten gesehen, der gleichzeitig so fern und so detailverliebt wirkt.

Der vielleicht futuristischste Außenseiter seit Einführung des Faxgeräts

Natürlich ist das alles noch keine kommunalpolitische Strategie. Eine Magnetschwebebahn ersetzt weder Haushaltskonsolidierung noch Stadtentwicklung, und auch Meerschweinchen haben in der Regel keine belastbare Position zur Schweriner Segregation. Aber genau darin liegt die Schönheit dieser Kandidatur. Während die übrigen Bewerber mit den immergleichen Vokabeln über Zusammenhalt, Sicherheit und Verwaltung hantieren, liefert Schubert wenigstens ein Bild, das man nicht sofort wieder vergisst: ein Mann mit Transrapid am Sakko, der einer Landeshauptstadt erklären will, wie Zukunft geht.

Für Schwerin ist das fast schon zu viel Fortschritt auf einmal. Diese Stadt schafft es seit Jahren, selbst Debatten über Busse, Parks oder Bürgerbeteiligung so abzuwickeln, als würde sie auf Nadeldruckern protokolliert. Da wirkt ein Kandidat, der ausgerechnet eine nie realisierte Zukunftsmaschine zum politischen Accessoire macht, fast schon wie ein Missverständnis mit Ansage. Vielleicht ist Schubert genau deshalb der passendste Außenseiter dieser Wahl: einer, der so hart an technischem Aufbruch glaubt, dass er ihn sicherheitshalber sichtbar an der Jacke trägt.

Wer sich einen Überblick über das restliche Bewerberfeld verschaffen will, findet ihn übrigens hier. Danach wirkt der Transrapid-Pin nicht weniger seltsam, aber immerhin ehrlicher als manches Standardversprechen aus diesem Wahlkampf. Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.

Quellen: Nordkurier

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