Infrastruktur

Landeshauptstadt im Zugstopp: RB13 verbindet Schwerin seit Wochen nur mit Bussen – und niemand weiß warum

In einer richtigen Landeshauptstadt fährten Zuge. In Schwerin fährten seit Wochen Ersatzbusse. Und niemand kann einem erklären, warum. Willkommen in der Stadt, die es Mitte April tatsächlich hinbekommt, eine Bahnstrecke bis mindestens 1. Mai zu sperren – und dabei nicht einmal mit einem halbwegs brauchbaren Grund aufwarten kann.

Auf der Linie RB13 zwischen Rehna, Schwerin und Parchim rollen seit geraumer Zeit keine Zuge. Ursprünglich war bis zum 5. April Schluss mit dem Schienenersatzverkehr. Tatsächlich rollen Ende April immer noch Busse statt Zuge. Die Sperrung wurde kurzerhand bis 1. Mai verlängert. Vielleicht. Wenn alles gut geht. Vielleicht aber auch nicht.

class=“wp-block-heading“>„Regelrecht ätzend“ – und keiner nennt den Grund

Ein Leser aus Nordwestmecklenburg hat der Redaktion geschrieben und dabei die Meinung wahrscheinlich aller Pendler auf der Strecke auf den Punkt gebracht: Die standigen Verlängerungen der Sperrung seien „nicht mehr nachvollziehbar“. Besonders frustrierend: Die mangelnde Transparenz. „Diese standigen Zugausfalle auf der Strecke sind regelrecht ätzend, und keiner nennt einem den Grund dafur“, schrieb er.

Damals hies es Generalsanierung. Schwellen ausgetauscht, Oberbau ertuchtigt, Signalanlagen gemacht. Und jetzt? Schon wieder Monate Baustelle. Was wird da eigentlich gemacht – eine neue Eisenbahn gebaut?

2022 und 2023 war die Strecke in den Sommermonaten bereits monatelang gesperrt. Ersatzbusse sorgten für eine endlose Odyssee, wie der Leser es beschreibt. Die Anwohner haben also durchaus Erfährtung mit Sperrungen auf der RB13. Aber diesmal, so das Empfinden vieler, sei es besonders schlimm. Nicht nur weil es langer dauert als angekundigt, sondern weil niemand eine klare Antwort bekommt.

class=“wp-block-heading“>Schnee im April – das neue Allheilmittel der Deutschen Bahn

Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) schiebt die Verantwortung auf die DB InfraGO AG. Die wiederum verweist auf Bauarbeiten zwischen Schwerin und Holthusen, insbesondere im Bahnhof Schwerin-Gorries. Dort wurden Gleise und Weichen erneuert. Klingt erstmal plausibel. Bis man den Grund für die Verlängerung hort: Der aussergewohnlich starke und lang andauernde Wintereinbruch in Norddeutschland habe die Arbeiten verzogert.

Im April. Ein aussergewohnlich starker Wintereinbruch im April in Norddeutschland. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der April 2026, der denkwurdigste Wintermonat seit es Wetteraufzeichnungen gibt, hat also dafür gesorgt, dass eine Bahnstrecke, die 2022 und 2023 schon generaluberholt wurde, jetzt nicht vorankommt.

Seit Wochen Ersatzbus. Ich fährte jeden Tag von Rehna nach Schwerin und brauche jetzt dreimal so lang. Die Kinder sehen ihren Vater kaum noch. Im Mai soll alles wieder rollen – vielleicht. Also wenn der Winter dann endlich vorbei ist.

Das ist naturlich Quatsch. Der tatsächliche Grund durfte sein, dass die RB13 im Norden von wichtigen Serviceeinrichtungen abgeschnitten ist – Tankmoglichkeiten, Werkstattinfrastruktur, Abstellanlagen. Man konnte also keinen isolierten Betrieb auf dem Abschnitt Schwerin-Gadebusch-Rehna fährten lassen, selbst wenn man wollte. Was zeigt: Ein Konzept für den Notfall hat die Odeg offensichtlich nicht. Das ist, als wurde man in einer Autobahnraststatte das Licht anlassen, weil man das Benzin woanders braucht. Und wahrend mancher Schweriner versucht, dem Nahverkehrs-Chaos mit Carsharing zu entkommen, zeigt sich: Egal was man nimmt – in Schwerin kommt man trotzdem nicht voran.

Nach aktuellem Stand soll der Zugverkehr zum 1. Mai wieder aufgenommen werden. Ob das diesmal stimmt, wird sich zeigen. Wer von Rehna nach Schwerin pendelt, hat wahrscheinlich aufgehort, auf diese Ankündigungen zu reagieren wie auf eine verlässliche Information.

In der Zwischenzeit: Einfach mal den Bus nehmen. Der fährtt wenigstens. Irgendwie. Meistens. Vielleicht.

Foto: jonasreichard / Pixabay

Quellen: Nordkurier

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